Fernwandern auf dem Neckarsteig von Heidelberg nach Bad Wimpfen

Der Neckarsteig ist ein Fernwanderweg, der sich über 127 km von Heidelberg nach Bad Wimpfen erstreckt. Über 9 Etappen mit durchschnittlich 12-18 km legt der Weg über 4550 Höhenmeter zurück. Erwartet habe ich einen Trail ähnlich wie den Neckar-Radweg entlang des Neckars. Stattdessen haben wir in den Bergen des Odenwaldes ordentlich Höhenmeter geschruppt. Ziel war es ursprünglich mit den Hängematten so weit wie möglich zu kommen. Nach 4 Etappen habe ich das Kapitel „Neckarsteig mit schwerem Gepäck“ abgehakt und bin den Rest in Tageswanderungen gegangen. Dennoch hatten wir einige Nächte in den Hängematten mit wunderschönen Aussichten und Sonnenuntergängen und ich habe meine erste Nacht allein in einer völlig fremden Umgebung verbracht. Die Wanderung aus dem Frühsommer wird nun mein letzter Beitrag aus Deutschland, bevor für eine Weile Berichte aus Wales kommen.

Heidelberg – Neckargemünd

Etappe 1 – 13 km – 600 Hm

Der Neckarsteig beginnt am Heidelberger Schloss, für Heidelberger leicht zu erreichen und ansonsten ein besonders schöner Startpunkt. Danach folgt man der Himmelsleiter über 1200 Stufen zum Gipfel des Königstuhls. Man kann diese Treppe auch umgehen, so ziemlich jeder Wanderweg vom Schloss führt zum Königstuhl. Heidelbergs Hausberg ist 570 Meter hoch und bietet einen tollen Ausblick über die Stadt. Bei gutem Wetter starten hier Paraglider, es gibt einen Imbiss und bald auch ein Hotel. Hier beginnt der ruhige und weniger touristische Teil des Weges, weshalb aber auch gleich die Beschilderung lückenhaft wurde. Oberhalb der Neckarschleife vor Neckargemünd, wo der Wald am Hang etwas lichter wird, haben wir unsere Hängematten aufgespannt. Die Aussicht auf die Neckarschleife und die Stadt bei Nacht war toll, dafür mussten wir aber durch Brombeeren den unglaublich steilen Hang hinabsteigen. Manche Plätze sind eben nur auf den ersten Blick schön, besser hätten wir es etwas weiter unter einer kleinen Hütte mit Ausblick gehabt. Kurz vor Ende kommt ihr an die bewirtschaftete Neckarriedkopfhütte (Sa-So, 11-19 Uhr), mit Blick auf die auf einem Berg thronende Burg Dilsberg. In Neckargemünd haben wir uns zum Frühstück türkische Pizza geholt und uns am Neckar eine Pause gegönnt, es gibt aber natürlich auch einen Bäcker.

Neckargemünd – Neckarsteinach

Etappe 2 – 9 km – 350 Hm

Die Etappe ist am einfachsten und kürzesten, sie führt von Neckargemünd auf die Burg Dilsberg, die mittig auf ihrem Berg thront. Normalerweise hätte man die Burg besichtigen können, aufgrund von Corona aber konnte man nur auf die kleine Terrasse. Von der Burg steigt man direkt über das Wehr nach Neckarsteinach ab. Hier gibt es einige Möglichkeiten in Restaurants zu essen und damit ist die Etappe schon erledigt.

Neckarsteinach – Hirschhorn

Etappe 3 – 15 km – 650 Hm

Dafür war die nächste Etappe umso härter, über einen Umweg zur Hinterburg im Vierburgeneck ging es zurück nach Neckarsteinach und zu einem etwas härteren Aufstieg. Dort gibt es einen Trinkwasserbrunnen und leicht abseits des Weges kommt ihr zur bewirtschafteten Mannheimer Hütte. Auf dem Hohen Darsberg angekommen, hatte ich die Schnauze voll von den Bergen und meinem schweren Rucksack. Wir hatten überlegt die Hängematten in einer kleinen Wanderhütte nahe dem Luxushotel Hoher Darsberg aufzuspannen, haben uns aber zum Glück dagegen entschieden. Am Goethe Blick hat man nämlich eine wunderschöne Aussicht auf Neckarsteinach. An dem steinernen Tisch haben wir unser Essen gekocht und zur Feier unseres tollen Lagerplatzes die Flasche Sekt getrunken. Wir waren gut müde, mussten aber leider noch eine Gruppe trinkender Studenten abwarten, bevor wir mit dem Aufbau beginnen konnten. Trotz des anstrengenden Tages habe ich kaum geschlafen. Die ganze Zeit musste ich an Wanderer denken, die sicher zum Sonnenaufgang zu dieser Aussicht kommen würden und uns mit ihrer Neugier aus den Hängematten holen. Ich weiß auch gar nicht, warum ich mir darum immer solche Sorgen mache, zumal auch niemand kam. Nicht wirklich ausgeschlafen und etwas frierend haben wir mit Aussicht gefrühstückt und sind gegen 08:30 Uhr aufgebrochen. Der Abstieg nach Hirschhorn ging mächtig auf die Knie und mal wieder mussten wir Strecken doppelt laufen, weil die Schilder nicht eindeutig waren.

Hirschhorn – Eberbach

Etappe 4 – 12 km – 500 Hm

In Hirschhorn setzten wir uns mit einem Stück Kuchen und Baguette auf die Neckarwiese. Meine liebsten Momente auf Wanderungen sind die, wenn man nach einem anstrengenden oder langen Weg richtig gutes Essen findet! Der Ausblick auf den Neckar und wie er unterhalb des Schlosses in den grünen Bergen verschwindet, hat uns schon fast wieder für die Strapazen entschädigt. Wir waren uns nicht einig, ob wir überhaupt noch weitergehen sollten, nur, dass spätestens in Eberbach Schluss sein würde. Jetzt waren wir aber nicht mehr sicher, ob uns unsere Füße da noch hintragen. Diese eine Etappe würden wir aber durchziehen! Der Weg führt über das Schloss Hirschhorn, auf dessen Turm wir leider nicht kamen. Der soll der einzige Aussichtspunkt auf die enge Neckarschleife sein, die man vom Berg dann leider gar nicht mehr sieht. Wenn ihr auf dieser Etappe einen schönen Platz für die Nacht oder eine Pause sucht, kann ich euch die Hoppe Hütte empfehlen. Von ihrer kleinen Terrasse hat man durch eine Waldschneise einen perfekten Blick auf die Stadt. Wir kamen allerdings schon mittags vorbei und wollten ja weiter nach Eberbach. Vom letzten Abstieg taten uns die Füße höllisch weh, die schweren Rucksäcke machten uns das Leben schwer. Wir machten in Eberbach eine Pause auf der Neckarwiese, bevor wir das Kapitel „Neckarsteig mit schwerem Gepäck“ abhakten. Für die nächsten Etappen musste ich unbedingt weniger mitnehmen!

Eberbach – Neunkirchen

Etappe 5 – 18 km – 950 Hm

Hinter Eberbach führt der Weg auf den Breitenstein, über Streuobstwiesen, vorbei an einem Hof, von dem euch Ziegen auf der Straße entgegenkommen, und am Geburtsbaumgarten, in dem Obstbäume für Neugeborene gepflanzt werden. Vielleicht lag es an der leichten Ausrüstung, dass ich diese Etappe wirklich genießen konnte. Überall stehen Infotafel über die Flussgeschichte, die grafisch zeigen, wie hier vor Jahrmillionen das Wasser noch bis zu den Bergen stand. Auf der Teufelskanzel findet ihr eine Klippe mit einem tollen Ausblick auf den Neckar. Den Fluss müsst ihr an der Schleuse Rockenau überqueren und kommt dann zur Burg Stolzeneck, einer Ruine mit wieder einmal wirklich schöner Aussicht! Sie zwar zwischendurch gesperrt, ob sie inzwischen wieder offen ist, weiß ich nicht. Der weitere Weg führt als schmaler Trail an einem Hang entlang. Auf dem letzten Stück vor Neunkirchen liegen drei Stempelstationen, deren Stempel ich auf Blättern gesammelt habe, weil ich leider kein Papier hatte. Die Stempel stehen am alten Saufang, einer Nachbildung alter Jagdmethoden, an der Hohen Eiche und an der Baumgärtnerhütte. Am Ortsrand von Neunkirchen könnt ihr dann an einem Imbiss einkehren. Leider eignet sich Neunkirchen nur schlecht als Etappenziel, denn von hier fährt weder Bahn noch Bus. Der nächste Bahnhof ist in Neckargerach, der direkte Weg dorthin ist deutlich kürzer als der Wanderweg und ihr kommt an einem weiteren Stempel vorbei, dem Pavillon Schlossblick. Die Etappe war die längste mit den meisten Höhenmetern, ohne die schweren Rucksäcke aber vergleichsweise gut machbar. Mehrere Brunnen z.B. an der Burg führen zwar offiziell „kein Trinkwasser“, man kann das Wasser aber durchaus trinken.

Neunkirchen – Neckargerach

Etappe 6 – 17 km – 350 Hm

Genauso wenig wie als Etappenziel eignet sich Neunkirchen als Startpunkt, nichts fährt hierher. Stattdessen solltet ihr nach Neckargerach fahren, zur Minneburg wandern und von dort wieder in die Etappe einsteigen. Auch diese Burg ist wegen Lebensgefahr gesperrt, sie hat aber eine schöne, ungefährliche Terrasse mit Picknicktischen, Feuerstelle und Blick auf den Neckar. Von dort aus wandert ihr einmal um den Mittelberg herum zurück nach Neckargerach. Der Abschnitt hat einige schöne Aussichtsplätze für Pausen und wildere Passagen, ist ansonsten aber im Verhältnis zu seiner Strecke eher unspektakulär. Der ein oder andere Hofladen würde daran sicher etwas ändern! Zumindest in Gutenbach, kurz vor Neckargerach, gibt es einen Automaten, an dem ihr auch lokale Snacks bekommt.

Neckargerach – Mosbach

Etappe 7 – 14 km – 450 Hm

Ab Neckargerach wandert man mit etwas verdeckter Sicht oberhalb des Neckars am Fels zur Margaretenschlucht und die war ein absolutes Highlight des gesamten Neckarsteigs! Der Wasserfall bahnt sich mitten im Wald über mehrere Ebenen seinen Weg durch den roten Sandstein. Während ihr von einer Ebene zu nächsten wandert, steigt ihr immer wieder über das Wasser. Der Weg ist abenteuerlich und ausgesetzt, kann bei Nässe aber auch gefährlich rutschig werden. Auf einem Bauernhof stand wieder ein Automat, an dem ich mir für 6€ eine 400g-Dose hausgemachten Hirschgulasch aus der Region geholt habe. Der anschließende Hügel nahe Binau wäre mit seinem Rundumblick schon ein netter Lagerplatz gewesen. Leider war es viel zu früh, ansonsten hätte ich mir gern in der Abendsonne meinen Gulasch warm gemacht. Gleich dahinter ist die S-Bahn in Binau ausgeschildert, falls man hier starten oder aussteigen möchte. Es folgt der Schreckberg, ein Naturschutzgebiet mit recht steilem Anstieg. Auf der Anhöhe wandert man dann mit wunderschöner Aussicht auf Diedesheim und den Neckar. Dort oben liegt ein Restaurant aus den 1940ern, das in den 1970ern wieder schloss. Auf dessen Dachterrasse führt eine Treppe, mit der Videoüberwachung fühlt man sich aber etwas beobachtet. Deshalb habe ich meinen Kocher auf einem flachen Stein etwas oberhalb am Hang ausgepackt und vor dem Sonnenuntergang endlich meinen Gulasch gekocht. Auf dem Hang habe ich auf einer Wiese zwei Bäume mit wunderschöner Aussicht gefunden, die perfekt für meine Hängematte gewesen wären! Allerdings war es im Sommer um 19 Uhr noch zu früh und zu viele Spaziergänger unterwegs. Also bin ich weiter nach Mosbach gelaufen, dem Etappenziel.

Mosbach – Gundelsheim

Etappe 8 – 14 km – 450 Hm

In Mosbach endet und beginnt die Etappe auf dem Marktplatz, hier könnt ihr einkaufen oder gut essen gehen, bevor ihr die Stadt in Richtung Berge verlasst. Dort habe ich irgendwo am Waldrand meine Hängematte aufgespannt, als es fast schon dunkel war. Es war ein eher praktisches als schönes Nachtlager, denn es war mein erstes allein nicht Zuhause. Mit der Zeit kommt vermutlich auch die Ruhe, nicht mehr bis ins Dunkle zu laufen, nur damit mich bloß keiner mehr sieht. Am nächsten Morgen bin ich sehr früh weiter bis zur Tagungsstätte Neckarzimmern aufgestiegen, wo sich das Mahnmal für die deportierten Juden in Baden befindet. Es besteht aus mehreren Gedenksteinen, die zu einem Davidstern angeordnet sind. Am Ende des Aufstiegs bietet der Weg dann einen Ausblick über Haßmersheim. Auf dem gleichen Berg liegt auch die Burg Hornberg mit ihrem Weinladen. Vom Hunger getrieben bin ich um noch nicht einmal 8 Uhr weiter zum nächsten Bäcker, um mich erst einmal mit Frühstück einzudecken und Wasser aufzufüllen. Haßmersheim verlässt man vorbei an alten Weinbergen, die nur noch an zugewachsenen Terrassen und Treppen zu erkennen sind. Auf dem Michaelsberg gibt es einen Hofladen und ein sehr schönes Restaurant. Der Hof ist so idyllisch mit seinen Streuobstwiesen und Kuhweiden mit Ausblick. In solchen Momenten wünsche ich mir, mich auch mal allein in ein Restaurant setzen zu können, aber irgendwie fühle ich mich dabei noch unwohl. Über einen Weinberg steigt man schließlich am Schloss vorbei nach Gundelsheim ab. Im Sommer duften die Weinstöcke dabei unglaublich gut!

Gundelsheim – Bad Wimpfen

Etappe 9 – 12 km – 250 Hm

Außerhalb von Gundelsheim geht es überraschend wieder auf einen Berg. Dort steht am Waldrand ein Picknicktisch mit Blick über die Stadt, an dem ich mein zweites Frühstück gegessen und versucht habe meine Schuhe vom Morgentau zu trocknen. Auf dem Berg liegt die Burg Gutenberg inklusive Restaurant mit Aussicht. Nach einigen Kilometern kommt man am jüdischen Friedhof vorbei. Betreten kann man diesen nur mit dem Schlüssel der Gemeinde, aber auch außerhalb der Mauern kann man einen Blick erhaschen. In den Feldern und Blumenwiesen und vorbei am Golfplatz ist man im Sommer schutzlos der Sonne ausgesetzt. Vom Weg aus kann man die Burgruine Ehrenberg sehen, für die man einen kleinen Umweg machen muss, der sich aber sicher lohnen wird! Die letzten Kilometer führen auf einer Wiese am Neckar entlang nach Bad Wimpfen. Das letzte Ziel ist das Schloss in Bad Wimpfen, von dort sind es nur noch wenige Meter zur S-Bahn.

Was ich für mich mitgenommen habe:

1. Das Erlebnis ist schöner, umso leichter die Ausrüstung ist. Im Sommer reichen ein dünner Schlafsack und leichtes Schuhwerk oft schon aus. Ansonsten ist man bei so vielen Höhenmetern mehr mit seinem Körper beschäftigt, als dass man das Wandern genießt.

2. Schöne Plätze für die Hängematte nutzen, statt bis in die Dunkelheit zu laufen! Nicht nur einen zweckmäßigen Platz suchen, um Strecke zu machen und nicht gesehen zu werden. Lieber sollte ich Pause machen und warten, lesen oder einen Podcast hören.

3. Ich sollte mehr und längere Pausen machen und auf meinen Körper hören, damit ich Erschöpfung nicht damit gleichsetze nach Hause zu wollen. Am Ende bin ich nämlich nur noch gelaufen, um möglichst schnell die Bahn nach Hause zu nehmen. Dabei hatte ich keinen Zeitdruck und hätte lieber die Zeit in der Natur schätzen und mich erholen sollen. Die Wanderung schnell hinter sich bringen zu wollen, ist ja nicht Sinn der Sache.

4. Immer genügend Wasser und Snacks auf Vorrat haben, nichts versaut einem mehr die Laune als Hunger und Durst!

Fazit

Der Neckarsteig ist schön zu wandern, wenn man in der Gegend wohnt und einfach mal raus möchte. Extra anreisen würde ich für den Steig aber nicht, denn den Fluss sieht man nur wenig. Viel mehr schruppt man ordentlich Höhenmeter in den Bergen des Odenwalds und auch Aussichten sind eher die Ausnahme als Regel. Dafür gibt es aber einige Burgen und Ruinen zu erkunden. Brunnen mit Trinkwasser sind eigentlich ausreichend vorhanden, auch wenn es teilweise offiziell kein Trinkwasser ist. Wer einfach nur die Natur genießen möchte und ruhige Wanderwege schätzt, ist hier auf jeden Fall richtig!

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