Die Schwefelbäder von Tbilisi

Tbilisi ist die Hauptstadt Georgiens und bedeutet Stadt der warmen Quellen, denn sie ist bekannt für ihre Schwefelbäder. Nicht viele, auch wir anfangs nicht, kennen Tbilisi und viele lernen es auch niemals kennen. Dabei ist sie eine der schönsten Städte, die ich je besucht habe, und vereint wunderbar Weltreligionen, Kulturen und Generationen in sich. Tbilisi oder auch Tiflis war unser sicherer Hafen auf dem Weg ins Abenteuer Georgien, so wie es noch ein Jahr zuvor Oslo auf unserer Reise in Norwegen war. Wir haben diese völlig unterschätzte Stadt lieben gelernt, der mittlerweile immer mehr internationale Touristen Beachtung schenken.

Tbilisi selbst hat einen Flughafen, ist aber auch von anderen Flughäfen wie Kutaisi mit dem Reisebus und aus jeder anderen georgischen Stadt mit der Marshrutka erreichbar. Wir jedenfalls kamen nach unserer Landung in Kutaisi gefühlt mitten in der Nacht an. Das Hostel war gebucht, soweit haben wir gedacht, nur wie wir dahin kommen wussten wir nicht. An einer Ecke haben wir mit schlechtem Wlan eine Route gesucht, die wir zu Fuß laufen wollten, immerhin sollte es nur 20 min dauern. Ich war müde, genervt von der Suche und noch genervter von den zwielichtigen Gestalten an einigen Ecken. Leicht entnervt haben wir dann doch ein Taxi gerufen, das uns für nur 3 EUR zum Hostel brachte.

Das Hostel lag etwas versteckt und bis zum Ende haben wir keinen anderen Weg gefunden, als den durch eine unbeleuchtete kleine Gasse. Im Inneren war das Hostel dafür umso schöner, unglaublich sauber, geräumig und süß eingerichtet. Und für 7 EUR pro Nacht ist das Blue Doors Tbilisi mehr als empfehlenswert!

ABANOTUBANI

Um den Urlaub ganz entspannt zu starten, haben wir uns erst einmal ein Schwefelbad gegönnt. Abanotubani ist ein kleiner Bereich in der Altstadt von Tbilisi mit mehreren Schwefelbädern. Je nach Bad kann man sich für wenig oder viel Geld einen privaten Raum mit heißem Pool mieten. Wir waren für eine Stunde im Abano No. 5, was zwar sehr einfach, dennoch schön, sauber und eben günstig war! Andere Bäder sind edler, kosten dementsprechend aber mehr. Man darf sich sogar auf den Dächern der Bäder zwischen den Kuppeln bewegen. Auf manchen Bädern ist es aber nicht erwünscht, da sollte man es auch lassen.

FOOD UND MÄRKTE

Georgische Restaurants findet man im Stadtzentrum in Hülle und Fülle, am besten aber im Gebiet zwischen dem Liberty Square und dem Clock Tower. Etwas außerhalb findet man wie in jeder größeren Stadt eine Markthalle, hier verkaufen Bauern frisches Obst, Gemüse, Gewürze, Fleisch und alles weitere. Die Leute sind immer für ein Gespräch offen und obwohl sie selbst oft nicht viel haben, geben sie gern mal etwas gratis. Ich habe selten so herzliche Menschen getroffen wie hier! Es gibt einfach Essen, das muss man probieren. Dazu gehören Khachapuri, Acharuli Khachapuri oder auch Churchkela, eine fast schon gesunde Süßigkeit aus ummantelten Nüssen.

DER SCHILDKRÖTENSEE

Der Schildkrötensee erhielt seinen Namen durch die vielen Schildkröten, die einst in ihm lebten. Heute findet man von denen aber kaum noch welche und auch wir haben trotz ausgiebiger Suche keine einzige gesehen. Viel mehr ist der See auf einem 687 Meter hohen Hügel mit Aussicht über die Stadt ein Badesee für Einheimische, der ein bisschen in den 50er Jahren stehen geblieben scheint. Im Gegensatz zum ersten Eindruck ist er mit seinen Bars, einem Fotobus und einer Zipline absolut im Jetzt angekommen. In Tbilisi wird es im Sommer sehr warm, bevor ihr 15 EUR für einen einfachen Pool ausgebt, kommt lieber hierher.

DIE LAGUNA VERE

…war hingegen keine so gute Idee. Der ehemalige sowjetische Sportkomplex steht seit 2014 leer und sollte unser perfekter Lost Place werden. Wir haben auch einen Eingang zu den Schwimmbecken gefunden und konnten zumindest auf der Tribüne ein paar Bilder machen. Was wir aber nicht wussten, die Laguna Vere ist in privatem Besitz und wir wurden von ein paar Arbeitern freundlich hingewiesen zu gehen. Wir sind natürlich noch mal hinten rein und trafen auf den Besitzer. Der wollte uns am Eingang zur Rede stellen, weil dort aber die Arbeiter wussten, dass wir schon einmal dort waren, sind wir abgehauen und zum Glück hat uns der Besitzer auch gehen lassen.

FREEDOM BRIDGE BIS SAMEBA KATHEDRALE

Im Dunkeln rausgehen in Georgien? Klar! In der Altstadt bieten abends die Restaurants Livemusik. Wenn ihr aber weiter über die Friedensbrücke Richtung Rike Park geht, seht ihr die Stadt in Lichtspielen aufgehen. Die Brücke blinkt, die Boote leuchten bunt und die Fontänenshow beschallt die halbe Stadt mit Musik. Dahinter gehen Treppen hoch in Richtung der Kathedrale. Von den Treppen hat man einen tollen Ausblick über die ganze Stadt, während unter einem die Musik zu den Fontänen spielt. Hätte die Kathedrale nicht um 22 Uhr zu gemacht und uns zum zweiten Mal ausgesperrt, wären wir ewig dort geblieben.

BUCHE EINEN TAGESAUSFLUG

Auf dem Liberty Square, quasi dem Zentrum für den öffentlichen Verkehr und Zugang in die Altstadt, bekommt man enorm viele Angebote für Tagesausflüge. Anfangs waren wir skeptisch, haben dann aber doch einen Ausflug in die Felsenstadt Davit Gareji gebucht und fanden es toll. Besser und einfacher wären wir dort nicht hingekommen und so hatten wir eine ganze Marshrutka voll mit Reisenden unseren Alters. Wir sind geradewegs durch die Pampa gefahren und wenn der halbe Bus irgendetwas schön fand, hielt der Fahrer an und lies uns aussteigen. Auf dem Rückweg haben wir in einem kleinen Dorf zum späten Mittag gehalten und konnten uns mal wieder den Bauch mit Khachapuri vollschlagen. Auch von anderen Tagesausflügen nach Kazbegi usw. habe ich nur Gutes gehört. Wenn ihr also die Leute mit den Tafeln voller Ausflugsziele auf der Straße seht, geht doch einfach mal hin oder fragt im Touristenzentrum.

Nette Anekdote zu diesem Felsen: Paula und ich wollten draufklettern, ich hatte aber Schiss und wollte die schwierigen Stellen seitlich auf dem Hintern überwinden, bin dabei den halben Felsen auf dem Po heruntergerutscht und konnte später anderen Deutschen dabei zuhören, wie sie sich darüber lustig machten. Ihre Blicke waren zu gut, als ich ihnen darauf auf Deutsch antwortete.

SICHERHEIT UND STRASSENHUNDE

Wie sieht’s so dicht am nahen Osten mit der Sicherheit aus? Georgien allgemein und vor allem Tbilisi sind bei weitem nicht so rückständig und gefährlich wie viele denken. Jede größere Stadt hat ihre Ecken, die man meiden sollte, aber das Stadtzentrum ist selbst bei Nacht völlig unbedenklich. Bei unserem Versuch die Kathedrale zu finden, haben Paula und ich uns gnadenlos verlaufen. Warum auch immer die so spät noch arbeiten, aber wir musste mitten durch eine Gruppe von 12 Bauarbeitern laufen. Allein, nachts, abseits aller Menschen. Die Männer haben uns sofort Platz gemacht, freundlich gegrüßt und weiter gearbeitet ohne uns weiter Aufmerksamkeit zu schenken. Wir waren so positiv überrascht, das war der Wahnsinn!

Worüber man sich bewusst sein muss, sind die vielen Straßenhunde, überall in Georgien. Aus den Stadtzentren werden sie meist ferngehalten, aber auch am Stadtrand muss man keine Angst vor ihnen haben. Kein einziger war aggressiv und die meisten sind sauber und wirken gesund. Der einzige Schaden, den man nimmt, ist ein gebrochenes Herz wenn man sie allein zurücklässt.

HIERFÜR WÜRDE ICH WIEDERKOMMEN

Für den nächsten Besuch steht definitiv die Zipline auf dem Schloss Narikala auf meiner Liste.

Tbilisi ist eine wunderschöne und weltoffene Stadt, die traditionell und modern in einem ist. Wer Natürlichkeit mag und statt Sehenswürdigkeiten den Lebensstil einer Stadt sucht, sollte Tbilisi auch auf seine Liste setzen!

8 Gedanken zu “Die Schwefelbäder von Tbilisi

  1. Pingback: Horrorlift und Heliskiing – Was wurde aus Gudauri? | HAELLAVENDER

  2. Pingback: 17 Tage mit dem Rucksack durch Georgien | HAELLAVENDER

  3. toller interessanter Bericht ! Ich muss mal ein Lob aussprechen über deine Beiträge. Sie sind geschrieben als wäre man selbst dabeigewesen. Städteführer werden künftig überflüssig sein !!!!
    Die Fotos passend , groß ( so wie ich das liebe ) und perfekt ! Der Lost Place hätte mich schon interessiert aber ich gebe dir Recht, man weiß in so einem Land nicht wo man nachher endet ! Sprachprobleme ect. sind ebenfalls vorhanden !!!!
    Weiter so ich bin gespannt

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