Dresden – Von Opern und Studentenvierteln

1945 war Dresden eine der am weitesten zerstörten Städte Deutschlands. Die Bombardements forderten eine halbe Million Opfer und legten etwa 60% des Stadtbildes in Schutt und Asche. Heute ist von den Trümmern nicht mehr viel zu sehen, die Altbauten aus Renaissance, Barock und 19. Jahrhundert wurden fast vollständig rekonstruiert, sodass wir auch heute wieder die Frauenkirche und den Zwinger entlang des Elbufers bewundern können.

2017 habe ich bedingt durch Lehrgänge an der Offiziersschule des Heeres insgesamt vier Monate in Dresden gelebt. Durch den Dienst hatte ich natürlich keine vollen vier Monate, um Dresden zu erkunden, aber abends und an den Wochenenden blieb dann doch immer etwas Zeit. Wahrscheinlich nimmt man die Stadt noch einmal ganz anders wahr, wenn man eben nicht auf einen Kurzurlaub vorbeischaut, sondern wirklich dort lebt. Allerdings musste ich auch feststellen, dass ich durch die theoretisch lange Zeit vieles aufgeschoben habe. Einiges konnte ich am Ende auch gar nicht mehr machen, weil es irgendwann hinten heruntergefallen ist.

Die Neustadt

Die Innenstadt lässt sich grob an der Elbe teilen, in die Neustadt im Norden und die Altstadt im Süden. Die beiden Stadtteile lassen sich auch gut zu Fuß verbinden, denn eigentlich muss man nur über die Augustusbrücke. Witziger Weise ist die Neustadt älter als die Altstadt. Die Neustadt überzeugt vor allem mit ihren kleinen Geschäften und Hinterhöfen wie der Kunsthofpassage mit ihren süßen Cafés und Häuserfassaden, deren Rohre bei Regen Musik spielen sollen. Eine weitere sehenswerte Adresse ist die Pfunds Molkerei. Bereits 1910 wurde die Bautzner Straße 79 als schönster Milchladen der Welt bekannt und das wahrscheinlich durch die Komplettverkleidung in Villeroy & Boch Fliesen. Am bekanntesten ist die Neustadt aber wohl für seine Bars und Restaurants.

Die Altstadt

Die Altstadt ist insbesondere für seine barocken Gebäude bekannt, die das Panorama vor allem von den Elbbrücken prägen. Noch mehr als tagsüber, wirkt das übrigens bei Nacht, wenn sich die Beleuchtungen der Kirchen und Häuser in der Elbe spiegeln. Die sehenswertesten Gebäude sind tatsächlich auch die bekanntesten, so die Brühlsche Terasse mit Blick auf die Elbe, die Semperoper, die katholische Hofkirche, der Fürstenzug, der Zwinger und die Frauenkirche. Sie alle sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt und leicht zu verbinden. So ein Spaziergang lohnt sich im Hellen wie im Dunkeln. Besonders auf der Galerie des Zwingers zu spazieren, wenn es dunkel ist und nur die Beleuchtung des Zwingers strahlt und niemand sonst dort ist. Ich mache es zwar leider selbst nie, würde aber immer eine Stadtführung empfehlen, auf der jemand über die Stadt redet, der sie wirklich kennt.

Militärhistorisches Museum

Wie der Name unschwer erkennen lässt, ist im Militärhistorischen Museum allerlei militärisches Material aller deutschen Streitkräfte ausgestellt. Es fängt bei Ritterrüstungen und Schwertern an und geht über Uniformen, Waffen, Literatur und Technik bis zu militärischem Großgerät im Außenbereich, auf Deutsch: Panzer. Ein Hingucker ist das Museum in erster Linie wohl nicht wegen seiner Ausstellung, sondern aufgrund seiner Architektur aus dem alten Grundbau und dem 2011 angebrachten gläsernen Keil, der für die Keilformation steht, in der die Royal Air Force flog, als sie 1945 Dresden bombardierte. Für das Thema Militär und Geschichte muss man sich natürlich interessieren, aber in meinen Augen war das Museum ganz klar einen Besuch wert. Der Eintritt kostet grundsätzlich 5€, für viele ermäßigte Gruppen wie Schüler, Studenten, Soldaten und Arbeitslose nur 3€.

Nachtleben und Studentenviertel

Das Nachtleben in Dresden spielt sich hauptsächlich in der Neustadt ab. Ob Jazzbars, Cocktailbars, Karaokebars, Shishabars, Clubs, Cafés, Tanzen, Trinken oder Essen. Für jeden Geschmack gibt es etwas und die Wege sind nicht weit, perfekt also, wenn man noch nicht genau weiß, wohin es gehen soll. Eine meiner liebsten Bars war das Wohnzimmer mit seiner verrückten Auswahl an heißen Getränken und Drinks, die ich nie zuvor gesehen haben. Auch die Molekularbar fand ich ganz interessant mit ihren Cocktails in Erlenmeyerkolben oder mit rauchendem Trockeneis. Die Cocktails waren allerdings besser als die Stimmung. Wenn ihr nach guter Stimmung sucht, findet ihr die am ehesten auf der Straße vor den Bars.

Schloss Moritzburg

Obwohl ich es mir so fest vorgenommen hatte, zählt das Schloss Moritzburg leider zu den Dingen, die ich so lange aufgeschoben habe, bis letztlich keine Zeit mehr dafür blieb. Dafür steht das Schloss, das als Kulisse für „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ diente, ganz oben auf meiner Liste für den nächsten Besuch.

Elbschlösser

Für schöne Schlösser müsst ihr die Stadt aber gar nicht verlassen. Die Elbschlösser mit Blick auf die Elbe stehen an den Elbhängen in Fußmarschdistanz zueinander. Im Schloss Albrechtsberg findet ihr ein schönes Restaurant mit tollem Ausblick, auf dem Weinberg des Lingnerschlosses führt ein Weg hinab zur Elbe und das Schloss Eckberg im Tudorstil erinnert ein wenig an England.

Ausflug in die Sächsische Schweiz

Etwa eine Stunde von Dresden liegt der Nationalpark Sächsische Schweiz mit der Bastei, der Festung Königstein, dem Malerweg und vielen weiteren schönen Wanderwegen zwischen den Felsformationen. Während meiner Zeit an der OSH war ich 3 Mal dort und bin 2 Etappen des Malerwegs gelaufen. Aber dazu habe ich hier mehr in einem gesonderter Beitrag geschrieben.

Striezelmarkt Dresden

Der Striezelmarkt ist aufgrund seiner Bekanntheit ein echter Touristenmagnet und genau hier liegt in meinen Augen das Problem. Der bekannteste Dresdener Weihnachtsmarkt ist nur noch auf Touristen ausgerichtet und völlig überlaufen. Besonders Familien mit Kindern, eigentlich aber allen, die einfach die Weihnachtsstimmung genießen und Spaß haben wollen, kann ich davon nur abraten. Der einzige Grund für den Striezelmarkt ist, sagen zu können, dass man auf dem bekannten Dresdener Striezelmarkt war. Da gibt es ausreichend andere schöne Weihnachtsmärkte in Dresden zu entdecken!

Food & Restaurants

Ähnlich dem Stadtbild teilt sich auch die Esskultur grob an der Elbe. Im Studenten- und Szeneviertel der Neustadt findet ihr viele kleine Cafés und eher exotische Küche. Ich habe hier bei wirklich guten Indern wie dem Jaipur und Little India aber auch Vietnamesen gegessen. Das sind nur Beispiele der unzähligen günstigen Möglichkeiten und auch für den schnellen Hunger gibt es Mengen an Fastfood-Imbissen. Südlich der Elbe ist das Essen teurer, Touristenmagnete wie Frauenkirche und Zwinger heben die Preise. Trotzdem sind die überwiegend deutschen Restaurants ihr Geld wert. Ich hätte gern noch das Museumscafé Dresden 1900 probiert. Wenn ihr es kennt hinterlasst mir in den Kommentaren gern eure Meinung und Empfehlungen!

Verkehrsnetz

Die öffentlichen Verkehrsnetze sind hier besser ausgebaut als an vielen anderen Orten: jede Straßenbahn und jeder Bus hält an mindestens einem der großen Knotenpunkte, von denen man zu jeder anderen Verbindung kommt, ihr könnt euch also praktisch gar nicht verlieren. Für Partypeople gibt es die Gutenachtlinie, die euch auch nachts sicher nach Hause bringt. Anders sieht es mit dem Auto in der Innenstadt aus, teilweise ist es vor lauter Ampeln und Rückstauungen unübersichtlich, lieber außerhalb abstellen und die Öffentlichen nehmen!

Wie hat euch der Beitrag gefallen? 

Wie immer bin ich offen für Vorschläge und andere Meinungen. Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren oder schreibt mir wie ihr Dresden erlebt habt und was man unbedingt noch machen oder sehen sollte!
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4 Gedanken zu “Dresden – Von Opern und Studentenvierteln

  1. Pingback: Sächsische Schweiz II – Wandern mal auf eine andere Art | HAELLAVENDER

  2. Pingback: Sächsische Schweiz I – Bildschön dieser Malerweg! | HAELLAVENDER

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