Das kostet Backpacking in Norwegen

2017 brachen Paula und ich zu unserem ersten großen Abenteuer nach Norwegen auf. Dass Skandinavien teuer sein soll haben wir gehört, war uns aber egal. Dabei ist Norwegen eines der teuersten Länder der Welt und wir waren mit unserem ersten eigenen Geld unterwegs. Wir wollten 14 Tage mit unseren Rucksäcken reisen und das für möglichst wenig Geld. Wir haben uns etwas in den Kopf gesetzt und es einfach gemacht. Darüber was das alles kostet, haben wir uns keine großen Gedanken gemacht. Meine Erfahrungen beschränken sich auf den Süden Norwegens, der Norden soll tatsächlich teurer sein.

Wir brauchen uns aber auch nichts vorzumachen, wir reden hier nicht von Luxusurlaub. Wer Geld sparen will, muss Abstriche machen. Mir fiele es nicht schwer 14 Tage nur mit Zelt und Campingkocher auszukommen, bis zu einem gewissen Grad genieße ich das einfache Leben sogar. Aber ich will es auch nicht übertreiben, natürlich sind ein Bett, eine Dusche und Pizza irgendwo essentiell. Was ich hier mit euch teilen möchte, sind meine persönlichen Erfahrungen aus 14 Tagen mit dem Rucksack in Norwegen.

UNTERKUNFT

Wildcampen ist die mit Abstand günstigste und coolste Möglichkeit in Norwegen zu übernachten. Dank des Jedermannsrechtes dürft ihr euer Zelt überall aufschlagen, solange ihr 150 Meter Abstand zum nächsten Privatgrund haltet. Das heißt, ihr könnt kostenlos vor den schönsten Kulissen übernachten. Manchmal ist das auch in Städten möglich, zum Beispiel in Oslo auf der Insel Langøyene, die man mit der Fähre erreicht.

Couchsurfing bringt dich zum zweitliebsten Schlafplatz der Weltenbummler, die Couches anderer Leute. Mit einer tollen Aussicht überzeugen die zwar nicht, dafür in den meisten Fällen aber mit neuen Freunden, einer Dusche und oft auch einem eigenen Gästezimmer. Das Besondere daran ist, dass ihr so Einheimische kennenlernt, die bessere Tipps geben als jeder Reiseführer.

Hostels sind nicht kostenlos, aber immer noch weitaus günstiger als alles andere. Schon ab 30€ bekommt ihr komfortable Doppelzimmer mit Einzelbad und einem gemeinsamen Wohn- und Essbereich. Die meisten Hostels sind modern und schön hergerichtet, ab und zu tun ein bisschen Faulheit und Privatsphäre auch ganz gut!

Berghütten sind wohl eine komplizierte Sache. Für ein voll ausgestattetes Haus werdet ihr die für Norwegen üblichen hohen Mietpreise zahlen müssen. Entlang einiger Wanderstrecken wie in Bakken am Lysefjord gibt es Besucherhütten. Der Schuppen der eigentlichen Hütte wurde mit mehreren Betten und einer einfachen Küche ausgestattet. Für 10 € die Nacht könnt ihr dort übernachten.

Rechtzeitig gebuchte Nachtzüge. Nachtzüge sind effizient, weil sie dich im Schlaf von einem Ort zum anderen bringen. Wie ich im Reisebericht aber auch erwähnt habe, sind Nachtzüge keine ernsthafte Lösung. Außer ihr fahrt in der 1. Klasse, die hat Betten. Wir haben für unseren Platz in der 2. Klasse dank früher Buchung 30€ für die Strecke von Oslo nach Stavanger bezahlt.

Über Airbnb findet ihr schöne und günstige Ferienwohnungen, in denen ihr dann selbst kochen müsst, aber auch das spart Geld.

TRANSPORT

Hin- und Rückflug zwischen Hamburg und Oslo haben wir in der Hochsaison für 90€ bekommen und ich denke das passt in jedes Budget.

Früh buchen. Wie überall kommt man auch hier am besten finanziell weg, wenn man rechtzeitig bucht. So haben wir für den 7- stündigen Nachtzug nur 30 € bezahlt.

Nachtzüge sind zwar nicht der bequemste Schlafplatz, dafür aber super, um eine Nacht zu überbrücken. So schnell, unkompliziert und gleichzeitig günstig 600 km zu fahren ist anders kaum möglich.

Busse bringen euch von einer Stadt in die nächste und kosten im Durchschnitt um die 30€. Da reden wir aber auch von 4-7 Stunden Fahrt.

Private Mietwagen über nabobil.no Auf dieser Website stellen Privatpersonen ihre Autos als Mietwagen zur Verfügung und das natürlich weitaus günstiger als offizielle Verleihe. Natürlich müsst ihr es an den gleichen Ort auch wieder zurück bringen, aber ihr bezahlt für einen durchschnittlichen Kleinwagen höchstens 10€/ Tag.

Trampen/ Mitfahrgelegenheiten. Das war eigentlich unser großer Plan zum Sparen und am Ende könnte ich mich beißen, dass wir es nicht einmal probiert haben. Viele haben uns erzählt, dass Norweger sehr offen gegenüber Trampern sind. Meist funktioniert es mit einem Schild oder indem ihr andere Reisende an Attraktionen ansprecht. So haben wir Claire kennengelernt, die uns in ihrem selbst ausgebauten Van etwa 6 Stunden lang vom Kjeragbolten bis zur Trolltunga mitnahm.

Tempolimit einhalten! Das ist gerade in Norwegen wichtig, denn die zugelassene Geschwindigkeit ist ungewohnt niedrig. Blitzer werden zwar angekündigt, dennoch können euch 20 km/h an die 400€ kosten, mit 50 km/h drüber liegt ihr schon bei knapp 1000€ Strafe. Weitere Bußgelder findet ihr hier.

FOOD

In den Städten lauern die Versuchungen, vor allem nach langen Wanderungen ist es schwer zu widerstehen und sein Geld zusammenzuhalten. Am billigsten ernährt ihr euch natürlich, wenn ihr einkauft und selbst kocht. Das ist beim Wandern selbstverständlich, funktioniert aber auch in den meisten Unterkünften mit Küchen. Und wenn ihr doch mal ausgehen wollt, haltet euch an die Empfehlungen der Locals. So haben wir das Pizzabuffet im 360°-Restaurant in Trondheim für 11€ gefunden. Was in Norwegen definitiv zu teuer ist, ist Alkohol, denn der kostet gerne mal das Drei- bis Vierfache. Spirituosen kann man erst ab 20 Jahren kaufen, in Bars kostet ein kleines Bier 8€ aufwärts. Dafür ist in den meisten Bars und Restaurants Wasser kostenlos, also entweder ihr bringt Alkohol aus Deutschland mit oder lebt für die Zeit ohne.

FREIZEIT

Wandern ist in Skandinavien nicht nur die günstigste, sondern auch schönste Beschäftigung. Die teils schwierigen Routen bieten eine wunderschöne Aussicht auf die Berge, Fjorde und weiten Ebenen. Das Wandern lässt sich gut mit günstigem Essen und Übernachten kombinieren.

Wen es dann doch in die Stadt zieht, kann nach kostenlosen Aktivitäten in den Städten googeln. In Betracht kommen u.a. Parks, Gärten und Museen oder eben ein Stadtbummel zwischen Sehenswürdigkeiten. Manchmal gibt es aber auch ganz abgefahrene Dinge, auf die man von allein gar nicht kommt.

Für besondere Vorhaben schaut am besten rechtzeitig nach Angeboten. Die Preise sind natürlich kaum mit denen anderenorts vergleichbar, aber die Kulissen und Möglichkeiten machen die Ausflüge ihr Geld wert. Was das angeht, muss man sich wahrscheinlich eingestehen, dass es die gleiche Erfahrung womöglich nicht günstiger gibt. Deshalb sind solche Erlebnisse auch die einzigen Ausgaben, bei denen ich nie ein schlechtes Gewissen habe.

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FAZIT

Wie streng ihr auch rechnet, euch werden immer ungeahnte Kosten einen Strich durch die Rechnung machen. Gerade wenn man das einfache Reisen nicht gewohnt ist, neigt man dazu, sich zu überschätzen. Die Erfahrung mussten wir leider auch machen, irgendwann reißt der Geduldsfaden und man hat einfach keine Lust mehr zu verzichten. Wir wollten eigentlich ausschließlich trampen und haben am Ende 150€ für Busfahrten ausgegeben. Das sind einfach Erfahrungen, die man machen muss und aus denen man für’s nächste Mal lernt. Wie teuer es tatsächlich wird, hängt natürlich stark von eurem Kaufverhalten und Komfortbedürfnis ab, da kann die Spanne insbesondere in Norwegen von 200€-1500€ die Woche reichen.

Mir ist natürlich bewusst, dass das einfache Reisen nicht für jeden etwas ist. Aber es gibt doch immer mehr Menschen, die viel von der Welt sehen wollen und dafür bereit sind, auf Luxus zu verzichten. Für einen schicken Urlaub sind die Tipps natürlich kaum geeignet! Trotzdem hoffe ich sehr, dass euch einige Punkte bei der Planung helfen! Wie immer freue ich mich natürlich über Ergänzungen und Ratschläge.

5 Gedanken zu “Das kostet Backpacking in Norwegen

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