11 Ausflugsideen rund um Aberystwyth

Ich habe mein Auslandsjahr in Aberystwyth verbracht, einer wunderschönen Kleinstadt an der Westküste von Wales. Die meisten Menschen werden womöglich niemals auch nur von diesem Ort hören und dennoch ist Aberystwyth gerade für Studenten unglaublich schön. In Midwales gelegen wäre es eigentlich der perfekte Ausgangsort für Ausflüge, wären da nicht die öffentlichen Verkehrsmittel. Das öffentliche Verkehrsnetz ist kaum vorhanden, Bahnen wurden über Jahrzehnte eingestellt und langsam versucht das Land den Tourismus durch Busse wieder anzukurbeln. Nicht alle der folgenden 11 Orte sind mit dem Bus erreichbar. Trotzdem sind sie so nah, dass man sich auch als ausländischer Student entweder dem Hiking Club oder britischen Studierenden mit ihren Autos anschließen kann.

Surfen in Borth

Borth liegt 20 min mit dem Bus 512 von Aber entfernt und ist für seinen langen Strand bekannt. Hier gibt Simon mit Aber Adventures ganzjährig Surfstunden, die gerade für Studenten der Aberystwyth University mit £ 13 bzw. £ 16 sehr günstig sind. Abhängig von den Wellen finden die Stunden in Borth oder Ynyslas statt. Gegenüber vom Spot in Borth liegt das Café „The Sands“, in dem wir gerade nach den Surfstunden im Winter gern auf warmen Schokokuchen mit Vanilleeis eingekehrt sind. Am Strand von Borth liegt außerdem ein prähistorischer Unterwasserwald, der vor 4.500 Jahren im Meer versank und dessen Baumstümpfe heute noch ab und an bei Ebbe freigelegt werden.

Ynyslas Dune Walk

Folgt man dem Strand von Borth nach Norden, endet man in Ynyslas, wo der Strand durch ein Flussdelta unterbrochen wird. Auch in Ynyslas kann man surfen und danach an einem unscheinbaren Foodtruck essen, an dem wir eigentlich nur aus kritischem Hunger bestellt haben. Das Ergebnis aber hat uns überrascht, denn wir haben die absolut besten Dirty Fries bekommen. In dem Truck arbeitet immer dieselbe Frau, die die Pommes oder Gitterkartoffeln mit Bacon oder vegetarischem Facon und Käse überbackt und anschließend liebevoll mit Petersilie und Granatapfelkernen verziert. Seitdem gab es für uns nichts Besseres als nach dem Surfen am Strand zu sitzen und ihre Dirty Fries zu essen. Bekannt ist Ynyslas aber für seine in Wales ungewöhnliche Dünenlandschaft, durch die man wie an der Nordsee auf Holzpfaden spazieren kann.

Delfintouren in New Quay

Etwa 1 h Busfahrt südlich von Aber liegt New Quay, wo Bootstouren zum Beobachten von Delfinen angeboten werden. Mit Glück kann man die Delfine schon von der Küste sehen, auf solchen Bootstouren kommt man ihnen aber natürlich viel näher. Die 1,5-stündige Tour kostet £ 20 und Sichtungen sind so gut wie garantiert. Eigentlich ein echt guter Deal, den ich leider viel zu lange vor mir hergeschoben habe. Meine Mitbewohnerinnen wollten eigentlich mitkommen, aber die Terminfindung hat so schlecht funktioniert. Angeboten werden die Touren nämlich nur von April bis Oktober, im Winter wandern die Delfine weiter nach Süden. Aber laut einiger meiner Freunde, teilweise Studenten der Meeresbiologie, sind die Bootstouren wohl sehr empfehlenswert!

Cafés und Geschäfte in Aberaeron

Aberaeron liegt etwa 1 h Busfahrt südlich von Aberystwyth ebenfalls an der Küste. Meiner Meinung nach lässt sich Aberaeron perfekt erkunden, indem man von New Quay hierher wandert und sich danach in den Läden und Cafés erholt. Nachdem wir auf dem Coast Path an zwei ins Meer stürzenden Wasserfällen vorbeikamen, kehrten wir im New Celtic auf Fish & Chips ein. Wer gern etwas mehr für gutes Essen ausgibt, ist im Habourmaster an der Flussmündung des Aeron nahe des Strandes gut aufgehoben. Aberaeron ist für seine bunten Häuser bekannt, aber auch für seine in Wales typischen kleinen Geschäfte. Im Angelatos bekommt man britischen Fudge, in anderen Läden handgemachte Kunst oder Lebensmittel. Ich empfand Läden wie Elephants & Bananas, Presley & Thyme oder Watson & Pratt sehr sehenswert, bevor man gleich vor den Läden den Bus zurück nach Aberystwyth nehmen kann.

Devil’s Bridge und The Vale of Rheidol

Die Devil’s Bridge ist der bekannteste Tagesausflug von Aberystwyth und trotzdem kommt man nur mit dem Auto oder der The Vale of Rheidol Dampflok hierher. Die Eisenbahn aus dem Jahr 1902 fährt für £ 33 Hin und Zurück und ist ein Erlebnis für sich. Passt allerdings bei der Buchung auf, welche Züge ihr auf dem Rückweg nehmen könnt. Manche Tickets gelten nur für einen bestimmten Zug und der gibt einem gerade einmal 1 h Zeit vor Ort, was für die beiden Wanderungen absolut nicht ausreicht.

Auf einer Straßenseite zahlt man etwa £ 4 für einen 10-minütigen Rundweg zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen tollen Blick auf die drei Brücken und die sogenannte Punchbowl hat, einen vom Wasserfall geformten Pool. Laut einer Legende wurde die erste Brücke vom Teufel für eine alte Frau gebaut, im Gegenzug für die erste Seele, die diese Brücke überquerte. Nachdem die alte Frau ihn hereinlegte und ihren Hund zuerst hinüberschickte, kam der Teufel vor Scham nie wieder nach Wales. Tatsächlich wurde die erste Brücke wohl im 11. Jhd. von Mönchen gebaut, bevor die 2. Brücke 1753 und die 3. Brücke 1901 einfach draufgesetzt wurden. Auf der anderen Straßenseite muss man noch einmal £ 7 bezahlen. Dafür bekommt man einen 45-minütigen Spaziergang vorbei an Wasserfällen, einer unglaublich steilen Treppe und der Robbers Cave, einer ehemals im Boden gelegenen Höhle, die aufgesprengt wurde, nachdem die Räuber und ihre Beute darin gefunden wurden. Die Devil’s Bridge ist zwar ein schöner aber sehr touristischer Ort, an dem die Natur an Tagestouristen vermarktet wird.

Bergtour auf den Cadair Idris

Der Cadair Idris (Cader Idris) ist mit 893 m der höchste Berg im südlichen Snowdonia National Park. Er liegt etwa 1 h Busfahrt mit dem T2 von Aberystwyth entfernt und mit dem 1 Bws Ticket kosten euch Hin- und Rückweg insgesamt nur £ 5,70. Der lange Bergrücken umringt den See im Innern wie ein Krater. Auf ihm entlang führt der Wanderweg, von dem aus man einerseits aufs Meer und andererseits auf die Berge und Seen schauen kann. Besonders schön ist es, eine Nacht im Zelt am See zu verbringen. Bei gutem Wetter könnt ihr dann vom Gipfel den Sonnenuntergang über der Irischen See beobachten, am See frühstücken und ins kalte Wasser springen, bevor ihr zur schweißtreibenden Wanderung aufbrecht.

Wandern auf dem Ceredigion Coast Path

Dieser 96 km lange Abschnitt des insgesamt 1.400 km langen Wales Coast Path führt von Cardigan über Aberystwyth nach Ynyslas. Ich wollte während meines Auslandsjahres in Wales einen Fernwanderweg gehen und entschied mich für diesen Abschnitt, da mit Ausnahme von Llangrannog alle Etappenziele mit dem Bus T5 erreichbar sind. Der Weg bietet einen ständigen Blick auf die Küste, das Meer, Klippen und einsame Strände. Die Abschnitte zwischen Aberporth, Llangrannog, New Quay und Aberaeron waren voller Highlights wie Wasserfälle und Delfinsichtungen. Am schönsten lassen sich diese Etappen sicher mit dem Zelt wandern, das erspart auch den Zeitdruck den Bus zu schaffen. Außerdem ist die Kulisse wunderschön, wenn man den Sonnenuntergang über dem Meer beobachtet und neben einem Wasserfall aufwacht.

Die Staudämme im Elan Valley

Das Elan Valley ist ein riesiges Trinkwasserreservoir und Naherholungsgebiet 1 h östlich von Aberystwyth. Leider braucht man auch hier ein Auto, bekommt dafür aber einen wunderschönen Blick auf grasbewachsene Hügel, Täler, Flüsse und Stauseen zwischen schroffen Bergen. Beeindruckend sind vor allem der Craig Goch und Pen y Garreg Staudamm. Wenn sie überlaufen, bilden sie bis zu 37 m hohe Wasserfälle. Halbwegs garantiert sind die Wasserfälle aber nur von Oktober bis März. Nach zwei erfolglosen Versuchen möchte ich noch den Wasserfall am Craig Goch Damm sehen. Im Oktober lief der zwar über, wir hatten aber keine Zeit mehr für die Wanderung. Beim zweiten Mal waren wir an beiden Dämmen, die liefen aber Ende April nicht mehr über.

Hafod Estate

Das Hafod Estate ist ein großes Anwesen voller Wald, Wasserfällen und Wanderwegen etwa 30 min außerhalb von Aberystwyth. Auch hierher fahren leider keine Busse und man ist auf das Auto angewiesen. Vom sogenannten Gentleman`s Walk führt ein Weg nach Süden ab, an dessen Ende sich der Cavern Cascade befindet. Man geht durch eine tunnelförmige Höhle, an deren Ende ein Wasserfall in die Höhle stürzt. Der Waldweg dorthin war schon wunderschön und mit dem vor uns liegenden Ziel in Aussicht noch viel schöner. Eigentlich ist der Wasserfall momentan wegen Steinschlaggefahr gesperrt, er ist aber viel zu spannend, als dass wir ihn aus Angst vor Steinen auslassen würden. Es ist beeindruckend, in die dunkle Höhle zu kommen, den Wasserfall zunächst nur zu hören und am Ende der Höhle plötzlich auf ein Loch in der Decke zu treffen, aus dem ein Wasserfall kommt!

Rotmilane in Bwlch Nant Yr Arian

Die Fütterung von Rotmilanen ist eine Attraktion in ganz Wales. Anfangs konnte ich mich dafür gar nicht begeistern, nachdem es mir aber mehrfach empfohlen wurde und oftmals kostenlos ist, wollte ich dem wenigstens eine Chance geben. Jeden Tag um 15 Uhr BST (14 Uhr im Winter) werden die Rotmilane mit Fleisch gefüttert. Schon vor 15 Uhr versammeln sich hunderte Raubvögel am Himmel, als hätten sie eine innere Uhr. Als die Fütterung begann, stürzten sie sich massenweise auf das Fleisch am Boden. Anfangs war ich skeptisch, aber die Fütterung hat uns eine imposante Show geboten! Bringt möglichst ein Fernglas mit, das konnten wir noch auf dem gesamten Roadtrip gebrauchen!

Ystrad Einion Mine

Die Höhle ist kein offizielles Ausflugsziel, weshalb der Eingang nicht markiert ist. Die Gittertür mitten im Bach war unverschlossen, als wir dort ankamen. Man muss den Eingang nur finden und in Gummistiefeln durch das eiskalte, knietiefe Wasser stapfen, das einem mit Sicherheit in die Stiefel läuft. In der ersten Kammer befindet sich eine deckenhohe viktorianische Winde, mit der zu Betriebszeiten Erze gefördert wurden. Im weiteren Verlauf der Höhle trifft man immer wieder auf alte Loren, Leitern, Gleise und glasklare Wasserbecken. Ich war in dieser Mine mit meinem Caving Club, also mit erfahrenen Höhlenkletterern. Mit etwas Erfahrung und entsprechender Ausrüstung halte ich den Abschnitt bis zur Winde aber für ungefährlich, nur deshalb ist die Höhle hier überhaupt aufgelistet. Entsprechende Ausrüstung bedeutet Helm, Kopflampe, Oversuit und Gummistiefel. Beim Höhlenklettern riskiert man immer schwere Stürze oder das Verirren ohne jeglichen Telefonempfang. Gefährdet euch also bitte nicht fahrlässig! Auch hierher muss man mit dem Auto etwa eine 3/4 h von Aberystwyth fahren.

Fazit

Aberystwyth ist eine unglaublich spannende Gegend, in der vor allem die Natur besonders sehenswert ist. Auf kleinem Raum lassen sich Küstenlandschaften, Berge, Höhlen und Wildtiere erkunden, wenn man offen für die kleinen Dinge ist. Leider ist nicht alles davon mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar, da dieser in Wales allgemein dürftig ausgebaut ist. Dennoch sind viele Orte mit dem Bus erreichbar, der im Übrigen auch sehr günstig ist. Dafür sind auch viele der Aktivitäten kostenfrei. Um Wales zu bereisen, empfehle ich euch generell ein Auto für einen Roadtrip. Aber auch Erasmusstudenten können mit den Outdoorclubs der Universität die restlichen Orten besuchen oder eben gemeinsam mit den britischen Studenten und ihren Autos, da alles maximal 1 h entfernt liegt.

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