Sechs Abenteuer an der walisischen Küste

Über 1.400 Kilometer Küste bieten eine atemberaubende Landschaft und Tierwelt. Spannende Felsformationen ragen manchmal aus türkisblauem Wasser, manchmal aus einer stürmischen See. Freistehende Felsen; Felsspalten, in die das Wasser peitscht; Felsbögen, die wie natürliche Brücken ins Meer ragen und Wasserfälle, die auf schwarzem Gestein ins Meer stürzen, kann man hautnah erleben und begehen. Beim Wandern oder auf Bootstouren kann man Schweinswale, Delfine, Robben oder auch Papageientaucher beobachten. An vielen Orten werden außerdem Sportarten wie Surfen, Seakayaking oder das in Wales erfundene Coasteering angeboten.

Wandern auf dem Wales Coast Path

Der Wales Coast Path ist ein über 1.400 km langer zusammenhängender Fernwanderweg, auf dem ich in den Regionen Ceredigion, Pembrokeshire, Gower und Anglesey bereits unterwegs war. Auf dem Ceredigion Coast Path kam ich an den freistehenden Felsen am Strand von Llangrannog vorbei, habe Delfine vom Wanderweg beobachtet und Wasserfälle von den schwarzen Felsen ins Meer stürzen sehen. In Pembrokeshire ist eine kleine Kapelle in den Fels gebaut, die Blue Lagoon sammelt blaues Wasser in einem alten Steinbruch und atemberaubende Felsformationen wie die Green Bridge of Wales oder die Stack Rocks reihen sich aneinander. Auf Gower kommt man an der Insel Wormshead vorbei, die nur bei Ebbe begehbar ist und einen wundervollen Einblick in das Leben auf dem Meeresboden gibt. Auf Anglesey sieht man idyllische Leuchttürme mit den Bergen Snowdonias im Hintergrund. Hier haben wir außerdem Papageintaucher und Seehunde beobachtet, die ein paar Seekajaker verfolgten.

Bootstouren

An der walisischen Küste gibt es zahlreiche Möglichkeiten die vielfältige Tierwelt auf Bootstouren zu entdecken. In New Quay nahe Aberystwyth gibt es Delfintouren, die £ 20 für 1,5 h kostet. Ich selbst bin dazu nicht mehr gekommen, habe aber von vielen Freunden in Aberystwyth gehört, dass es sich wirklich lohnen soll. Andere solcher Bootstouren haben wir zum Beispiel in Beaumaris auf Anglesey für Papageientaucher gesehen bzw. in Tenby oder St. Davids in Pembrokeshire für Seehunde. Erkundigt euch bitte vor solchen Touren, ob die Tiere mit Respekt behandelt werden! Ich kann absolut verstehen, dass man die Tiere gern aus der Nähe sehen möchte. Dennoch sollte sich jeder selbst verantwortlich dafür fühlen, einen Anbieter auszusuchen, der die Tiere nicht stört. Allerdings achten Naturschutz- und auch Tourismusverbände in Wales sehr stark auf den Schutz der Tiere, da sollte es also keine Probleme geben!

Seakayaking

Das Kajakfahren auf offener See ist spannend, vor allem weil man die zerklüftete Küste und die Felsformationen aus einer einzigartigen Perspektive sieht, während man der rauen See ausgesetzt ist. Das bedeutet aber auch, dass man gnadenlos Wind, Wellen und Strömung ausgesetzt ist, die einfach ein gewisses Maß an Erfahrung erfordern. Deshalb und weil sie sich besser auskennen, ist es ratsam für £ 50 mit einem Guide zu fahren. Mich hat es absolut überzeugt, als wir auf Anglesey am North Stack auf einer Klippe 20 m über dem Meer saßen und beobachten konnten, wir 9 Seehunde ein gerade aus einer Höhle kommendes Kajak verfolgten. Man bekommt eine andere Perspektive auf die Landschaft und die Möglichkeit allein den Tieren nahezukommen, die neugierig auf die Boote zuschwimmen und sie sogar berühren.

Coasteering

Coasteering ist ein walisischer Natursport, der in Pembrokeshire erfunden wurde. Wie beim Canyoning springt, schwimmt, klettert und rutscht man, nur eben direkt am Meer. Wellen haben uns durch Höhlen getragen, die einmal quer durch eine Insel verliefen. Wir haben uns von den Wellen in Felsspalten spülen lassen, in denen wir uns links und rechts nur mit den Füßen abstützten und vom Wasser meterhoch angehoben wurden. Wir sind aus 6 m Höhe von den Klippen gesprungen und über dem Meer geklettert. Ohne ortskundige Begleitung können Felsen und Strömungen schnell gefährlich werden. Aber die professionelle Begleitung kostet, in Pembrokeshire haben wir £ 75 gezahlt, auf Anglesey wären es £ 50 gewesen. Weil der Sport in Pembrokeshire erfunden wurde, wollten wir es auch dort ausprobieren, aber £ 75 waren für das bisschen Schwimmen und Springen in Begleitung doch etwas teuer. Macht es außerdem lieber in den Sommermonaten, denn nach einer Weile wurde zumindest mir echt kalt. Beim Surfen habe ich selbst im Winter mit Wetsuit nie gefroren, aber hier hat die drohende Unterkühlung mir ein wenig den Spaß verdorben.

Surfen

Wales ist vielleicht nicht der erste Ort, an den man beim Surfen denkt, aber über 1.400 km Küste bieten einige gute Spots. Pembrokeshire, Gower, Anglesey aber auch Borth bei Aberystwyth sind beliebte Surfspots, an denen man auch Kurse buchen und Boards ausleihen kann. Am Strand von Llangrannog bekommt man zwar keine Boards, aber man kann mit dem eigenen Board vor einer Kulisse von freistehenden Felsen surfen. Ich hatte die Möglichkeit, während meines Auslandsjahres durch den Surf Club meiner Uni ermäßigte Surfstunden in Borth zu bekommen und so ein Jahr lang günstig surfen zu lernen. Die Wellen sind meist nicht allzu hoch und damit auch gut für Anfänger geeignet. Es gibt aber auch Tage und Strände mit größeren Wellen für geübte Surfer.

Lost Place ‚Porth Wen Brickworks‘

Der Lost Place ‚Porth Wen Brickworks‘ ist ein bekannter aber noch nicht überlaufener verlassener Ort auf Anglesey. Die alte Ziegelei liegt in einer kleinen Bucht mit einem wunderschönen Sonnenaufgang, der die Backsteine morgens in ein tiefes Rot taucht. Neben der verlassenen Anlage, gibt es hier auch einen Strand mit türkisblauem Wasser. Bei Ebbe sieht man allerlei alte Materialien, die irgendwann einfach über die Hafenkante ins Meer geworfen wurden. Von dort führt auch ein natürlicher Felsbogen ins Meer, von dem man eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht und die Anlage hat. Wir hatten nicht als einzige die Idee hier für eine Nacht zu zelten und wurden mitten in der Nacht von einer Gruppe Kletterer aus Cornwall überrascht. Der Sonnenaufgang über der Bucht am nächsten Morgen war definitiv sehenswert!

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