Höhlenklettern in den Brecon Beacons

Die Brecon Beacons sind ein wunderschöner Nationalpark im Süden von Wales. In meinen ersten Wochen hätte ich sie gern oberirdisch gesehen, konnte ich ja auch kurz auf dem Weg zur Höhle. Während der Freshers Fair hatte ich den Caving Club entdeckt. Was bei uns exotisch ist, ist auf der Insel fast schon ein Trendsport: Höhlenklettern. Unser erster Trip führte uns zu einem großen Höhlensystem namens Ogof FFynnon Ddu, kurz OFD. Das ist Walisisch für Höhle der schwarzen Quelle. Mit insgesamt 50 km ist die Tropfsteinhöhle die drittlängste Höhle in der UK, ohne Club kommt man hier nicht rein. Zwei Wochen nach unserem Besuch kam diese Meldung in den Nachrichten: Ein Mann musste nach 2 Tagen aus der Höhle gerettet werden, in der wir unseren Freshers Trip hatten.

Zugang zu den Höhlen

Zugang zum Höhlensystem bekommt man nur mit einem Caving Club. Jede Region und jede Universität haben so einen, denn der Sport ist hier ziemlich populär. Auch ich bin für mein Auslandsjahr Mitglied im Aberystwyth Caving Club, für den ich im Jahr nur £8 zahle. Der Leiter des Clubs bekommt einen Schlüssel, nach Vereinbarung einer sogenannten Pull Out Time darf der Club in die vom South Wales Caving Club verwaltete Höhle.

Die OFD-Höhle

Eingang durch einen Schacht

Die OFD ist unterteilt in 3 Abschnitte mit eigenen Eingängen: OFD I, II und III. Wir waren in der OFD II, zu deren Eingang wandert man vom Parkplatz etwa 10 Minuten bergauf. Der Eingang selbst ist ein kleiner Schacht auf 433 Höhenmetern von wenn überhaupt 50×50 cm, durch den man in den Berg klettert.

Kammern, Gänge und Tropfsteine

Die gesamte Höhle ist 50 km lang, wir sind natürlich nicht die volle Länge gewandert. Ich spreche hier nur über unsere Route. Direkt am Eingang liegt die Big Chamber, wortwörtlich eine große Kammer. In den meisten Gängen kann man sich aufrecht bewegen, wir sind ihnen zu einem Stalagmiten namens Wedding Cake und dem größten Stalaktiten der UK gefolgt. Letzterer wurde laut unterschiedlicher Geschichten entweder von Studenten oder vom BBC abgebrochen und musste wieder angeklebt werde. Weil öfter Tropfsteine abgebrochen werden, sind die Wege mittlerweile mit rotem Band markiert. Weiter ging es vorbei an einem unterirdischen Wasserfall in die sogenannte Salubrious Passage.

Wir kamen an den Tropfsteinen The Trident und The Judge vorbei. Durch den Selenite Tunnel kamen wir zu einer Kammer namens Shatter Pillar, von wo aus wir zum Crystal Pool gingen, einem kleinen Becken voller Kristalle. Dahinter führt zwar eine Leiter tiefer in den Berg, hier sind wir aber umgedreht. Bis hierher sind wir 2h gegangen, mussten hin und wieder auf dem Bauch durch Felsspalten kriechen und uns durch Löcher in Steinhaufen zwängen. Wir haben sogar andere Clubs getroffen und uns unterhalten – mal ein anderer Ort, um Freunde zu finden. Bei den teils knietiefen Bächen war ich ganz froh, dass wir in Gummistiefeln klettern! Insgesamt sind wir 80 m tief in den Berg ab- und wieder aufgestiegen.

Der Ausgang

Zurück sind wir den gleichen Weg für 2h gegangen und durch die 50x50cm Luke wieder heraus. In der Höhle ist es recht warm und feucht und natürlich dunkel, umso schöner ist es an einem sonnigen Tag wieder die Landschaft der Brecon Beacons zu sehen und die Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren.

Sicherheit

Am Caving sollte man sich definitiv nicht mit Platzangst versuchen. Grund zur Sorge gibt es aber nicht, denn man kann sowieso nicht einfach in die Höhle. Zugang gibt es nur über einen Club mit erfahrenen Führern. Zur Ausrüstung gehören auf jeden Fall Gummistiefel, Oversuit, Helm, Kopflampe, Wasser, Snacks und Erste-Hilfe-Set. Vor Betreten der Höhle vereinbart man eine Pull Out Time, ist man bis dahin nicht wieder zurück, wird ein Suchtrupp geschickt. Die Höhle ist gut besucht und steht unter ständiger Instandhaltung. Am gefährlichsten sind die rutschigen und losen Steine auf dem Boden, wenn man auf ihnen ausrutscht, holt man sich böse blaue Flecken.

Die OFD war meine erste Höhlentour überhaupt und ich bin unglaublich dankbar, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Ich habe vom Hochschulsport deutlich weniger erwartet, mit Sicherheit kein abgeschlossen Höhlensystem über mehrere Ebenen und mit mehreren Eingängen. Das Caving wird hier ernst genommen und über die nächsten Wochen trainierte der Club mit uns sogar an Seilen für schwierigere Höhlen.

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