Auf Heimaturlaub während die UK Variantengebiet wird

Ich war mir nicht sicher, ob ich Weihnachten überhaupt nach Hause fliegen sollte. Kaum jemand wollte hier bleiben und ich wollte nicht allein sein, während meine Familie Bescherung macht und Raclette isst. Die Ferien begannen am 20.12., also buchte ich den Flug für den 21.12. Schon ab dem 15.12. hatten unsere Dozenten aber keine Lust mehr auf Vorlesungen. Kein Problem, dachte ich. Nutze ich die Zeit eben, um die Gegend zu erkunden. Es wurde aber schnell zum Problem! Als Frankreich und Italien die Einreise aus der UK verschärften und meine Freunde schon zitterten, habe ich noch auf die Bundesregierung vertraut. Wenn sie kurzfristig noch die Grenzen schließen würde, obwohl davon keine Rede in den Nachrichten war, würde sie uns doch wenigstens ausreichend Reaktionszeit lassen. Dachte ich!

Deutschland verschärft die Einreise aus Großbritannien

Jeden Tag habe ich die Seite des Auswärtigen Amtes gecheckt, jeden Tag war sie unverändert. Dienstag sollte mein Flug gehen, ab Freitagabend hatte ich mich sicher gefühlt. Samstagabend kam der Schock, die UK ist mit Wirkung vom 20.12. Virusvariantengebiet. Das ist schon Montag! Als Hochrisikogebiet hätte ich geimpft nichts machen müssen. Als Variantengebiet hätte ich nach Anreise 14 Tage in Quarantäne gemusst. Das wäre zwar nervig, da meine komplette Familie aber positiv getestet war, habe ich mich eh nicht auf große Ausflüge und Treffen eingestellt. Viel schlimmer war der Test, den man hier nicht so einfach bekommt! Selbst Antigentests gibt es nur mit Termin und sie sind mit £35 relativ teuer. Bis Freitag hatte ich in Birmingham noch Antigentests buchen können, deren Ergebnis in 24h kam. Mein Zug sollte sowieso 30h vor Abflug ankommen, aber Antigentests gab es plötzlich nicht mehr. Die PCR-Tests brauchen 48h und am Sonntag gab es keine. Ich konnte doch nicht riskieren, am Flughafen zu stehen und das Testergebnis nicht rechtzeitig zu bekommen.

Die Entscheidung, ich fliege morgen!

Wenn die UK ab dem 20.12. Variantengebiet ist, muss ich noch am 19.12. in Deutschland landen. Mein Flug über KLM ließ sich zwar noch umbuchen, wurde aber minütlich teurer. Meine Idee hatten wohl viele. In Amsterdam hätte ich für den reinen Transit keinen Test gebraucht. Am 19.12. gingen aber alle Flüge über Paris, das einen Test wollte, den ich nicht hatte. Ich brauchte einen Direktflug, die gingen von Birmingham aber nur nach West- und Süddeutschland. Ich musste ja schon den Zug nach Birmingham, das Hotel und den Flug doppelt zahlen. Wenn ich jetzt auch noch einen ICE durch ganz Deutschland so kurzfristig buche, zahle ich ein Vermögen. Zum Glück habe ich dann einen Flug von Manchester nach Berlin gefunden. Über Nacht musste ich also packen, die Aufgaben der nächsten 2 Tage erledigen und meine Lebensmittel verbrauchen. Auch die Züge fallen hier ständig aus. Vor Aufregung habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich hatte so viel Geld ausgegeben und das ist meine letzte Chance, Weihnachten bei meiner Familie zu sein! Nach 20 Stunden Anspannung kam am Abend des 19.12. die Erlösung, ich saß im Flieger nach Berlin! Wenige Stunden später hatte ich es auch durch die Grenzkontrolle geschafft, ich war Zuhause!

Für weiße Weihnachten und Eislaufen hat es sich gelohnt!

Die ersten Tage fühlte ich mich fremd. Nach 3 Monaten in dieser Blase wieder im gewohnten Umfeld zu sein war komisch. Aber auch das legte sich schnell wieder. In Berlin habe ich noch ein paar Tage verbracht, weil ich am 22.12. im Flughafen Tegel einen Termin zum Boostern hatte. Die Lichter von Charlottenburg und der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz waren wunderschön. Zuhause haben wir gerade den Weihnachtsbaum geschmückt, als es am Abend des 23.12. anfing zu schneien. So sehr, dass meine Schwester und ich im Dunkeln noch eine Schneeballschlacht machten und an Heiligabend rodeln konnten. Wir hatten weiße Weihnachten, das erste Mal seit sicher 15 Jahren! Auch für die Bescherung vor dem Kamin und das Raclette hatte sich das alles gelohnt. Nach bestimmt 10 Jahren konnte ich zum ersten Mal wieder auf unserem See Schlittschuhlaufen. Anfang des Jahres war der See bei -20 Grad schon einmal gefroren. Bis ich aber 3 Tage später den Zug aus Heidelberg genommen hatte, waren die Temperaturen wieder um 40 Grad gestiegen und man konnte den See nicht mehr betreten.

Die Rückreise war wesentlich entspannter

Nach Berlin zu kommen war wesentlich leichter, weil die Züge anders als in Wales zuverlässig fahren. Einen Test zu bekommen ging so einfach und schnell. Ich konnte mich innerhalb von 5 min testen lassen und bin mit einem gerade einmal 10 Stunden alten Ergebnis geflogen. Für die Einreise in die UK musste ich aber einen PCR-Test für den 2. Tag nach Ankunft buchen. Nur mit der Buchungsbestätigung bekommt man die Passenger Locator Form, die am Flughafen kontrolliert wird. Mit dem Test habe ich zu lange gewartet und statt £15 musste ich £45 zahlen. Mittlerweile braucht man aber keinen Test vor Abflug mehr und nur noch einen Antigentest am 2. Tag. Da mein Flug über Paris ging und Frankreich Reisen auch in die UK beschränkt, musste ich eigentlich die Notwendigkeit meiner Reise erklären. Austauschstudent zu sein steht auf der Liste der triftigen Gründe, allerdings hat das niemand kontrolliert. 

Nach dem Horror auf dem Weg auf die Azoren, habe ich 2021 sicher 500€ für ungenutzte Flüge ausgegeben. Im Winter zu reisen wird einem während Covid verdammt schwer gemacht. Trotzdem hat sich die Heimreise gelohnt, dieses Weihnachten Zuhause war perfekt! Ich wäre sicher traurig gewesen, hätte ich von den weißen Weihnachten und dem Eislaufen gehört, während ich in meinem kleinen Kabuff sitze! Seit Anfang Januar ist Großbritannien übrigens wieder Hochrisikogebiet und damit für Geimpfte von Test- und Quarantänepflicht bei Einreise nach Deutschland befreit.

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