2 Tage Kanuwanderung auf der Oberen Havel

Ich lebe seit über 20 Jahren an der Mecklenburgischen Seenplatte und trotzdem wird dies der erste Beitrag zu meiner Heimat. Die Seenplatte eignet sich super für Kanutouren und ihre Landschaft erinnert stark an Südschweden. Mehr als 1000 Seen sind durch Flüsse und Bäche miteinander verbunden und bilden ein Netz aus Wasserwanderwegen. Die Strecke auf der Oberen Havel zwischen Kratzeburg und Neustrelitz gehört zu den bekanntesten der Region. Sie verläuft durch den Müritz Nationalpark und damit weitgehend auf motorbootfreien Gewässern inmitten der Natur. Pia und ich sind ausschließlich im Nationalpark gefahren und haben endlich mal wieder eine Nacht im Zelt verbracht!

Kanuverleih und Ausrüstung

Unser Kanu haben wir bei Kanu Hecht in Kratzeburg am Käbelicksee ausgeliehen. Der 2-3er Kanadier kostete uns für 2 Tage 55€, darin hatten wir ausreichend Platz für uns und unsere Campingausrüstung. Die Preisliste für alle Kajaks und Kanadier findet ihr auf der Website des Verleihs. Gegen einen Pfand von 5€ bekommt ihr eine Wasserwanderkarte der Strecke sowie kostenlose Schwimmwesten, Sitzkissen und wasserdichte Tonnen für Wertsachen. Wenn ihr nur in eine Richtung fahren möchtet, kostet die Rückführung des Kanus aus Neustrelitz etwa 40€. Dabei solltet ihr beachten, dass die Tour in einer U-Form verläuft und eine Rückführung von unterwegs durch die Distanz um die 60-70€ kosten kann.

Müritz Nationalpark

Kanuwandern im Nationalpark bedeutet einerseits viel Ruhe und Natur. Andererseits bedeutet es auch, dass ihr nicht überall halten dürft, wo es gerade schön ist. Erlaubt ist dies nur an ausgeschriebenen Rast- und Badestellen, die auf der Karte markiert und unterwegs ausgeschildert sind. Auf manchen Seen dürft ihr auch nicht einfach frei fahren, sondern müsst sie entlang einer Markierung aus grünen Tonnen überqueren. Auch die Zeltplätze sind auf der Karte sichtbar, wir haben für 7€ pro Person unser Zelt bei der Fischerei Babke aufgeschlagen. Ihr solltet es aber innerhalb eines Tages leicht bis zum Naturcampingplatz Hexenwäldchen am Jamelsee schaffen. Was natürlich überall gilt, ist ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur!

Die Zeltplätze im Nationalpark:

  • Campingplatz Naturfreund am Käbelicksee
  • Zelten am Restaurant Havelkrug am Granziner See
  • Zelten an der Fischerei Babke zwischen Zotzen- und Jäthensee
  • Naturcampingplatz Hexenwäldchen am Jamelsee
  • Campingplatz am Useriner See

Die Kanutour auf der Oberen Havel

Die komplette Tour von Kratzeburg bis Neustrelitz ist 38 km lang, die motorbootfreie Zone 23 km. Anstatt bis nach Neustrelitz, sind wir nur bis zum Ende des Nationalparks gefahren. Dieser endet hinter dem Useriner See, den wir allerdings nicht mehr erreicht haben. Die Seen zu befahren ist anstrengend, man ist dem Wind ausgesetzt und hat das Gefühl nicht wirklich vorwärts zu kommen. Die wirklich schönen Abschnitte sind die auf der Havel. Der Fluss ist etwa 5 m breit und rechts und links von Schilf, Bäumen und Ästen gesäumt, die über das Wasser ragen. In den wenigen kleinen Dörfern begrenzen Bootsschuppen den Flusslauf. Umgedreht sind wir auf dem Zierzsee, kurz vor dem Useriner See und Ende des NP. Bis dahin sind wir etwa 20 km gefahren, in den 2 Tagen also insgesamt 40 km. Die Obere Havel hat keine spürbare Strömung, deshalb kann man die Strecke leicht auch wieder zurückfahren.

Käbelicksee bis Zotzensee

Mit unserem Kanadier überquerten wir einmal von Norden nach Süden den Käbelicksee. Durch eine unscheinbare Lücke im Schilfgürtel kamen wir auf den Granziner See und den sehr kleinen Schulzensee, auf dem außer Schwänen und Enten niemand unterwegs ist. Auf dem ersten längeren Abschnitt auf der Havel liegt die Umtragestelle an der Granziner Mühle. Wir mussten das Kanu über die Straße auf die Gleislorenbahn tragen, was relativ schwer war. Die Loren rollen aber fast von allein und erfordern kaum Kraft. Insgesamt 3 Loren für je 4 Kanus stehen bereit, um die Boote 750 m über Land zum Pagelsee zu rollen. Auf diesem fahrt ihr unter einer alten Holzbrücke hindurch und kommt nach einem Stück auf der Havel auf den Zotzensee. Diesen dürft ihr nur entlang der grünen Tonnen überqueren, denn er steht streng unter Naturschutz.

Fischerei Babke bis Hexenwäldchen

Auf dem sich anschließenden Havelabschnitt wartet eine weitere Gleislorenbahn an der Fischerei Babke. An der Fischerei schlugen wir unser Zelt auf und stießen mit einem Fischbrötchen und Hugo auf die Tour an, bevor wir am nächsten Morgen das Kanu wieder in die Havel setzten. Die Havel ist das eigentlich Besondere an der Strecke, weil die Natur links und rechts am Ufer so schön ist. Über den Jäthensee dürft ihr wieder nur den grünen Tonnen folgen. Auf dem anschließenden Stück markiert ein Schild die Abzweigung zum Naturcampingplatz Hexenwäldchen. Da wir allerdings schon in Babke gezeltet hatten, konnten wir hier ohne Umwege weiter nach Kakeldütt fahren.

Kakeldütt bis Zierzsee

In dem Örtchen gibt es einen Wasserwanderrastplatz mit einem im Sommer geöffneten Kiosk und einige wirklich süße Bootshäuser am Ufer. Danach überquert man den Görtowsee und verlässt ihn durch einen Schilfgürtel in einen der schönsten Abschnitte. In dem Urwald zwischen Görtow- und Zierzsee bleiben ins Wasser gefallene Bäume liegen und die Natur ist absolut unberührt. Auf dem Zierzsee sind wir umgedreht, er mündet in den Useriner See und Seen sind wie eingangs gesagt nicht unser liebstes Paddelerlebnis gewesen. Das Schönste an ihnen ist, durch ihr Schilf wieder auf die Havel zu kommen. An dieser Stelle machten wir uns auf gleicher Route wieder auf den Rückweg.

Fazit

Die Tour auf der Oberen Havel im Müritz Nationalpark ist durch ihre Natur ein absolutes Highlight, wobei mir die Abschnitte auf dem Fluss besser gefielen als die auf den Seen. Die Umtragestellen mit den Gleislorenbahnen sind ganz witzig, wenn man die nötige Kraft hat, das Boot zu bewegen. Die Strecke ist absolut zu empfehlen und für jeden geeignet!

Mehr Informationen bekommt ihr auf den Tourismusseiten von:

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