7 Stunden in Bergamo bevor Italien abgeriegelt wurde

Eigentlich sollte der Beitrag mal „7 Stunden in Mailand“ heißen. Auf dem Weg nach Tbilisi hatten wir 7 Stunden Aufenthalt am Flughafen Mailand-Bergamo, klar wollten wir da erst einmal nach Mailand. Gerade gelandet haben wir aber schnell gemerkt, wie viel Zeit es uns kosten würde nach Mailand zu fahren. Bergamo dagegen sah man schon vom Rollfeld. Die kleine Stadt sah auf ihrem Berg auch ganz romantisch aus. Dass ausgerechnet hier das europäische Epizentrum des Coronavirus liegt, erfuhren wir erst in Berlin am Flughafen.

Coronavirus

Wir hatten kaum einen Fuß auf italienischem Boden, da wurde schon Fieber gemessen. An den Gates trugen einige Leute Masken, was wir natürlich merkwürdig fanden. Immerhin erfuhren wir gerade erst, wo wir hier gelandet waren. Verglichen mit dem Drama in den Medien war das hier allerdings harmlos. In der Stadt Bergamo war davon gar nichts mehr zu sehen. Bis zu unserem Rückflug sollte sich die Lage deutlich verschlimmern, aber auch hier bekamen wir keine großartigen Maßnahmen mit. Ich weiß, das Thema ist für einige hier viel zu knapp abgebacken. Der Grund ist einfach, dass es nicht viel zu sagen gibt, denn mehr ist noch vor 2 Wochen einfach nicht passiert. [Stand Februar 2020]

7 Tipps für Bergamo

Was macht man während eines Zwischenstopps in Mailand-Bergamo? Laut Omio ist der schnellste und günstigste Weg nach Mailand der Zug für 6 EUR und der braucht etwa eine Stunde. Der Bus nach Bergamo kostete uns 1,50 EUR und brachte uns innerhalb einer halben Stunde in die Oberstadt. Um die Haltestelle zu finden stolpert man wortwörtlich nur aus dem Flughafen, dann steht man auch schon vor dem Bus mit der Aufschrift Bergamo.

Die Cittá Alta

Der Bus brachte uns direkt in die Cittá Alta, zu deutsch die Oberstadt. Die Oberstadt ist der historische Stadtkern, in dem sich Kirchen, Museen und Cafés die Hand geben. Dass die Stadt auf einen Berg gebaut ist war zur Gründung sicher taktisch klug, um sie zu verteidigen. Heute sieht sie zumindest von weitem so romantisch aus, wie man sich eine italienische Stadt auf einem Berg eben vorstellt. Vor allem hat man dadurch einen 360° Ausblick auf die Alpen und die Unterstadt über die Stadtmauern, aber auch innerhalb der Stadt gibt es hin und wieder schöne Aussichtspunkte wie die Stadttürme oder die Rocca di Bergamo.

Früh sein lohnt sich

Damit haben wir nicht gerechnet, als wir noch am Flughafen die süße Stadt auf ihrem Berg sitzen sehen haben, aber Bergamo ist sehr touristisch. Kurz vor 9 Uhr setzte uns der Bus an der Spitze der Oberstadt ab und besser hätten wir die Zeit nicht treffen können. Denn 9 Uhr morgens ist noch lange keine Zeit, zu der auf italienischen Straßen das Leben tobt. Stattdessen öffnen die ersten Flohmärkte und Cafés, in denen noch die schönsten Plätze in der Sonne frei sind. Als wir zum Mittag zurück zu den Pizzerien wollten, drängten sich schon Massen in den kleinen Straßen. Schreibt mir gern mal, ob ihr die Stadt auch so voll erlebt habt!

Un caffè, per favore!

Egal ob in Mailand oder Bergamo, ich wollte gemütlich einen Kaffee in einem italienischen Café trinken. Also setzten wir uns noch bevor es voll wurde in eines der vielen schönen Cafés rund um den Domplatz auf einen Latte Macchiato und ein Croissant.

Sonne tanken auf der venezianischen Stadtmauer

Zugegeben für den 360° Blick muss man schon an der Stadtmauer entlang laufen. Aber gerade das wollten wir, bevor wir die nächsten 5 Stunden wieder am Flughafen hocken, uns die Beine vertreten und Sonne tanken. Hinter uns lagen nur die historische Oberstadt und ein paar besorgte Leute, die taten als würden wir gleich 30 Meter in die Tiefe springen. Vor uns lag zu unseren Füßen die Unterstadt, von der ich mir kaum vorstellen kann, dass man hier mal auf Ackerland geschaut hat, wo ich heute nicht einmal das Ende der Stadt sehe. Da sitzen wir jetzt also auf einem Weltkulturerbe und blicken auf eine ganze Stadt.

Rocca di Bergamo und Parco della Rocca

Einer der schönen Aussichtspunkte innerhalb der Stadt ist die Festung Rocca di Bergamo. Die Burg aus dem 14. Jahrhundert beherbergt heute das Museum des 19. Jahrhunderts. Der Park dazu war für uns wie ein kleines Idyll inmitten der Stadt abseits der Massen. Ich weiß nicht, ob es immer so ruhig ist, aber wir fanden hier ein kleines grünes Fleckchen Erde und Geschichte. Rund um die Burg hat man auch hier einen 360° Blick über die Stadt und vor allem auch auf die Oberstadt und die Stadttürme.

Stadt-Seilbahn

Wir sind zwar dran vorbei gelaufen, aber leider ist sie gerade nicht gefahren, die wohl coolste Möglichkeit in die Oberstadt zu kommen: die Seilbahn.

Stracciatella Eis essen!

Wieso habe ich das erst jetzt gelesen? Das Stracciatella Eis wurde in einer Eisdiele in Bergamo erfunden! Ich liebe Eis und habe kein Stracciatella Eis in Bergamo gegessen, weil ich es einfach nicht wusste. Ach man…

Der unfreundlichste Flughafen der Welt

Auf dem Rückflug hatten wir einen ähnlich langen Aufenthalt in Mailand-Bergamo. Nur diesmal mitten in der Nacht. Bevor wir so spät mit unseren Koffern durch die Stadt eiern, beschlossen wir am Flughafen zu bleiben. Unser allzeit Freund und Helfer sleepingatairports.net hat uns Böses prophezeit. Angeblich wäre es kalt und man wird nachts geweckt. Pünktlich um 4 Uhr morgens wurde es kalt und man hat uns geweckt. Die Schiebetüren wurden aufgesperrt und eine Mitarbeiterin hat alle Schlafenden geweckt. Angeblich, weil der Boden gereinigt werden musste. Warum die Leute von den Bänken aufstehen mussten hinterfrage ich mal nicht. Also haben wir die nächsten 4 1/2 Stunden wach an einem Flughafen gesessen, an dem noch kaum jemand arbeitete. Für 9 € die Stunde kann man eine Schlafkapsel mieten, in der man auch seine Sachen verschließen kann.

Als wäre er nicht jetzt schon Platz 1 meiner unbeliebtesten Flughäfen, gab es an den Gates keine kostenlosen Steckdosen. Sogar in Berlin Schönefeld haben alle Bänke Buchsen und wie alt ist dieser Flughafen bitte? Stattdessen kann man seine Geräte für ein paar Münzen in einem verschließbaren Automaten lassen oder sich in ein Café setzen und dort Geld lassen, um nebenbei sein Handy zu laden. Der Trick ist wohl an dem Automaten zu laden, ohne das Fach zu verschließen. Wenigstens gab es einen kostenlosen Tischkicker, an dem wir spielen konnten, während unser Flug eine 1/2 Stunde Verspätung hatte.  💁 

Schlussendlich…

Eigentlich bin ich gar nicht dafür zu haben, den ganzen Tag durch eine Stadt zu laufen und mir irgendetwas anzugucken. Hier war es aber ganz schön, auf dieser ewig langen Anreise ein bisschen rauszukommen, Sonne zu tanken und dabei noch ein Fleckchen Italien zu erkunden.

Wart ihr schon mal in Bergamo? Dann gebt mir Tipps für meinen nächsten Aufenthalt, wo bekomme ich guten Kaffee und Stracciatella Eis und was muss ich das nächste Mal in Bergamo unbedingt machen?

6 Gedanken zu “7 Stunden in Bergamo bevor Italien abgeriegelt wurde

  1. Wirklich cooler Bericht, gerade noch rechtzeitig. Voller Vorfreude auf meinen Urlaub habe ich gerade noch einen Artikel über 10 Gründe, warum man Rom gerade im Frühling besuchen sollte veröffentlicht und jetzt musste ich den geplanten Urlaub nächste Woche leider absagen und kann von meiner Lieblingsstadt nur träumen. Ich hoffe, dass der Spuk bald ein Ende hat. Bis es soweit ist bleibe ich zuhause und lass mich von phantastischen Orten inspirieren… Danke für diese tolle Gedankenreise! War bisher nur in Milano aber meine italienischen Freunde haben mit Bergamo schon länger ans Herz gelegt. Danke für den großartigen Tipp mit sleepingatairports und die Info, dass es einen noch unfreundlicheren Flughafen als Schönefeld gibt
    Tanti saluti, Julia

    Gefällt 1 Person

    • Den Frühling können wir wohl alle vergessen. Ich hoffe du kannst deinen Urlaub im Sommer oder spätestens nächsten Frühling nachholen! Für dich ist es ja besonders tragisch, weil es dich so knapp noch getroffen hat! Aber es freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat ☺️

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  2. Hallo,

    Ein sehr schöner Reisebericht. Auch sehr interessant wie das am Flughafen bei eurer Einreise abgelaufen ist und wie ihr den Ausbruch des Coronaviruses wahrgenommen habt. Von der Seite sleepingatairports hatte ich bisher gar nicht gewusst, also vielen Dank für den Tipp 🙂

    Liebe Grüße
    Pascale

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