Snowboarden mit Budget am Klinovec

Mein erster Vorsatz für 2020 war es wie jedes Jahr zum Snowboarden ins Erzgebirge zu fahren. Anfangs wollte ich lieber wie alle anderen nach Österreich fahren. Nach Österreich zu fahren klingt irgendwie viel cooler als ins Erzgebirge zu fahren. In den letzten Jahren aber und ganz besonders in diesem Jahr, wo mein Bruder und ich unseren Skiurlaub erstmals selbst zahlen mussten, ist mir bewusst geworden, dass die Interskiregion um Oberwiesenthal gar nicht mal so schlecht und eine echte Alternative zu den viel teureren Alpen ist!

DIE ANREISE

Theoretisch ist die Anfahrt nach Oberwiesenthal sehr entspannt, gerade wenn man aus Nord- und Ostdeutschland kommt. Statt 12 Stunden brauchen wir von Mecklenburg nur 5 Stunden in unseren Urlaubsort und das ohne die ewigen Staus auf den Autobahnen oder im Ort.

Storytime: Nur für uns war die Anreise nicht ganz so einfach, denn mit meinem Auto zu fahren bedeutete, an der ersten Tankstelle alle 4 Reifen aufpumpen zu müssen. Kurz vor Berlin verabschiedete sich mein Scheibenwischer. Ab und zu springt der Blinkerhebel auseinander, was den Scheibenwischer auslöst und als der zu oft über die trockene Scheibe gekratzt ist, hat er sich einfach ausgeklinkt. Nun kratzte bei jedem Versuch zu blinken das blanke Metall auf der Scheibe. Wir haben einen neuen Scheibenwischer für 18€ gekauft und obwohl wir ihn extra ausgemessen haben, trotzdem in der falschen Größe. Natürlich haben wir ihn ausgepackt und angebaut, natürlich hat er nicht gepasst, natürlich mussten wir für weitere 18€ einen neuen Scheibenwischer kaufen. Der war aber irgendwie nicht ganz fest, also haben wir in unserer Verzweiflung mit einem Schlüssel das Gummi vom falschen Scheibenwischer abgetrennt und damit den richtigen verknotet. Der Rest der Strecke lief ansonsten ganz gut!

SKIPASS UND VERLEIH

Bevor es auf die Piste geht, brauchen wir natürlich ein Brett unter den Füßen und einen Skipass, der uns wieder auf den Berg bringt. Der Skipass auf der tschechischen Seite des Skigebietes kostet pro Tag umgerechnet 33 EUR für Erwachsene und 25 EUR für Kinder. Verglichen mit den Preisen auf der deutschen Seite, lohnt es sich die gleichen Skipässe in Oberwiesenthal zu kaufen. Hier bezahlt man nämlich nur 28 EUR, 26 EUR als Student, Schüler, Azubi oder Senior und 23 EUR als Kind bis 16 Jahre. Die Preise gelten für die Hauptsaison und beinhalten den Shuttlebus, der stündlich zwischen beiden Skigebieten fährt.
Die Ausrüstung, ein Set aus Snowboard und Schuhen, auszuleihen kostet zwischen 12 und 16 €/ Tag. Je nachdem, ob man in einer der großen Skischulen ausleiht oder in einem kleinen Geschäft wie bei der Ski Oehme.

DOPPELTES SKIGEBIET ZUM PREIS VON EINEM

Der dritte gute Grund an die tschechische Grenze zu fahren, ist das doppelte Skigebiet aus dem tschechischen Keilberg und dem deutschen Fichtelberg. Mit dem Skipass für die Interskiregion kann man nicht nur mit allen Liften in beiden Skigebieten fahren, sondern auch mit dem Skibus zwischen ihnen. Der fährt und hält immer gegen halb auf dem Fichtelberg und zur vollen Stunde auf dem Keilberg.

SKIGEBIET OBERWIESENTHAL

Streckenlänge: 15,5 km, 1215 Höhenmeter und 6 Lifte
An Pistenkilometern bietet der Fichtelberg deutlich weniger als der tschechische Keilberg. Bis auf einen Sessellift und eine Gondel bringen einen leider nur Schlepplift auf den Berg. Klar erfüllen die auch ihren Zweck, aber bei 6 Stunden auf der Piste möchte man sich zwischendurch einfach mal hinsetzen und ausruhen. Mit der Gondel und dem Sessellift kommt man aber auf den großen Fichtelberg und von dort auch auf alle anderen Pisten.

DIE SCHÖNSTEN PISTEN

Mit die schönsten Strecken sind für mich die Himmelsleiter und deren Parallelstrecke, die ein bisschen schwieriger zu erreichen aber dadurch oft deutlich leerer ist. Leider ist genau die Piste aber die einzige nicht beschneite und wird damit bei wenig Schnee als erste gesperrt. Mit dem Schnee ist es grundsätzlich etwas schwierig. Wo wir letztes Jahr noch im Schnee versunken sind, mussten dieses Jahr Pisten geschlossen und beschneit werden. Aber man muss auch sagen, dass wir noch kein Jahr komplett ohne Schnee hatten. Da habe ich dieses Jahr aus einigen Skigebieten in den Alpen anderes gehört.  🤷‍♀️

NACHTSKI

Der Fichtelberg gehört zusammen mit dem Keilberg zu den höchsten Erhebungen der Gegend. Bis auf den jeweils anderen Berg sieht man von der Piste eher weit übers Flachland. Aber auch das ist ganz schön, wenn man auf der Terrasse vom „Pistenblick“ sitzt und von oben auf das verschneite Städtchen schaut. Richtig schön ist der Blick auf Oberwiesenthal auch von der Piste bei Nacht. Nachtski ist jeden Donnerstag, Freitag und Samstag von 16.30 bis 21.00 Uhr auf dem kleinen Fichtelberg (die Skipässe dafür muss man extra kaufen). Besonders schön beim Nachtski ist der Fackellauf der Skischulen und der ist glaube ich immer Donnerstags.

THINGS TO DO

Neben der Skipiste hat Oberwiesenthal aber auch eine Kunsteisbahn, wo jeden Freitag in der Saison und in den Ferien auch dienstags Eisdisko ist. Ich liebe ja eislaufen, allerdings auch nur so lange, bis ich mit voller Wucht ein Loch im Eis mitnehme und mir das Knie blau schlage. Wenn ihr zwischen Mai und Oktober nach Oberwiesenthal fahrt, ist die längste Flyline Europas geöffnet, quasi eine etwas langsamere Zipline.

SCHLECHTES WETTER

Wir hatten dieses Jahr wenig Glück mit dem Wetter. Viel Wind und kaum Schnee, Pisten waren abgetaut und Lifte geschlossen. Dadurch hat sich gerade in den letzten Tagen der ganze Betrieb auf ein bis zwei Pisten konzentriert. Gerade dann lohnt sich aber der Weg zur Himmelsleiter und zum Skibus, denn dafür muss man den Schlepplift zum kleinen Fichtelberg nehmen und den Rest zu Fuß laufen. Dass der Weg zum großen Fichtelberg auf einmal so beschwerlich ist, merkt man direkt, denn sowohl die Himmelsleiter als auch der Keilberg sind gleich deutlich leerer.

SKIGEBIET KLINOVEC

Streckenlänge: 29,4 km, 1244 Höhenmeter und 14 Lifte
Der Keilberg oder auch Klinovec hat nicht nur mehr, sondern auch längere Pisten als sein deutscher Nachbar. Am Keilberg sind insgesamt mehr Menschen auf den Pisten unterwegs. Durch die vielen und langen Strecken verläuft sich das aber recht gut und weder an den Buden noch an den Liften wartet man großartig. Und obwohl viel mehr Leute auf den Keilberg kommen, ist das Essen in den Restaurants und Buden günstiger als auf deutscher Seite. Der Liftbetrieb selbst ist moderner und stumpfer zugleich. Fast alle Lifte sind Sessellifte und was in Oberwiesenthal wegen des Windes dicht gemacht wird, fährt am Keilberg noch lange. Und wenn auf einem der beiden Berge Schnee liegt, dann hier. Aber selbst der Keilberg, der letztes Jahr noch einer finnischen Winterlandschaft glich, taute dieses Jahr und musste künstlich beschneit werden.

DIE ABGELEGENSTEN PISTEN

Als ich so über unseren Skiurlaub im letzten Jahr nachgedacht habe, hatte ich den Keilberg vor allem für eines in Erinnerung: mit der Einstufung der Pisten nehmen sie es nicht allzu genau. Einige rote Pisten kamen mir damals viel zu steil und schwer vor, sie überhaupt als rot einzustufen fand ich optimistisch. Ich weiß nicht ob es an dem wenigen Schnee oder an mir lag, dass es mir dieses Jahr gar nicht so vor kam. Der Keilberg hat einen weiteren Ausläufer mit einigen neuen Piste und Schleppliften, an dem sogar der Skibus hält oder den man vom Rest des Skigebietes über eine Ziehstrecke erreicht. Für Skifahrer ist die bestimmt noch etwas entspannter, aber mit dem Snowboard ist diese Strecke ein ziemlicher Kampf und geht wahnsinnig auf die Waden. Auf der Nummer 24 kommt man sowohl dorthin, als auch wieder zurück zu den Sesselliften. Dafür muss man allerdings ein Stück über den Parkplatz laufen. Als ich mich das erste Mal auf diesen Teil der Piste verirrt habe, konnte ich auf jeden Fall meinen Respekt vor schwarzen Pisten überwinden. Mich auf der Karte zurechtzufinden hat mir zu lange gedauert und ich dachte mir, dass ich bergab schon irgendwie wieder auf die 24 zurückfinde. Die 24 umfährt die schwarze Piste, aber ich bin stattdessen mitten auf die schwarze Piste geraten. Kein Wunder, dass mir danach die Roten nicht mehr ganz so steil vorkamen.  😄

NACHTSKI & SCHLECHTES WETTER

Nachtski ist hier übrigens laut eigener Website jeden Tag von 16.00 bis 21.00 Uhr. Auf der Website findet man neben allen möglichen Infos auch Live Webcams, was echt cool ist, um zu entscheiden ob man rüber fährt oder nicht. Aber gerade an Tagen mit schlechtem Wetter lohnt es sich nach Tschechien zu fahren. Wenn die Sessellifte in Oberwiesenthal nicht fahren, sind auch deutlich weniger Deutsche auf dem Keilberg und das, obwohl die Lifte hier meist trotzdem fahren und der Schnee oftmals auch deutlich besser ist.

DAS HOTEL

Wir übernachten immer auf deutscher Seite in Oberwiesenthal und leider immer genau zur Ferienzeit. Da zahlen wir für ein Doppelzimmer mit Frühstück schon mal bis zu 800 EUR für 5 Tage. Dafür liegt das Hotel aber auch direkt an der Piste und wir haben immer recht spät gebucht. In Tschechien sind die Preise ähnlich, aber hier muss man für das Auto eben noch eine Vignette kaufen. Nächstes Jahr wollen wir etwas cleverer sein, früh und außerhalb der Ferien buchen und eine Ferienwohnung mit kostenlosem Parkplatz nehmen, wo wir mit 4 Personen für 500 EUR unterkommen.

BEST WESTERN ADULTS ONLY

Aber hier erst einmal die zwei Hotels, mit denen wir bisher Erfahrungen gemacht haben. Die meisten Aufenthalte hatten wir im Best Western Hotel, das ist allerdings ein Adults Only Hotel und erlaubt keine Kinder unter 14. Vom Frühstückssaal hat man einen tollen Blick auf den kleinen Fichtelberg und das Frühstück selbst ist auch voll okay. Abendbuffet kostet 18 EUR pro Person, da sind wir häufiger mal auf Bratwurst an der Piste ausgewichen. Die Zimmer sind jetzt auch nicht unbedingt modern. Für das Geld erwarte ich einfach mehr.

AHORN HOTEL AM FICHTELBERG

Dieses Jahr waren wir zum ersten Mal im AHORN Hotel am Fichtelberg. Die Lage des AHORN Hotels ist Fluch und Segen zugleich. Zwar stolpert man direkt aus der Haustüre auf die Piste, muss dafür aber den halben Berg runter und wieder hoch laufen, wenn man in die Stadt will. Leider hat der Großteil der Zimmer auch keinen tollen Ausblick. Einige wenige Zimmer haben sicher einen schönen Blick auf den Ort und die Piste, wir aber leider nur auf den Parkplatz. Der Frühstücksraum hat zwar einen Ausblick auf die Piste, allerdings fand ich den im Best Western deutlich schöner. Und auch das Wlan reichte leider nur selten bis zu unserem Zimmer.

Fazit

Die Pisten können vielleicht nicht mit denen in Österreich oder der Schweiz mithalten, aber die knapp 45 Pistenkilometer reichen definitiv aus, um mit den Ski oder dem Snowboard auf seine Kosten zu kommen. Nach 4 Tagen hat es für mich dann aber auch gereicht, obwohl das immer vom Wetter abhängt. Letztes Jahr hatten wir viel Schnee und Sonnenschein, da hätte ich noch deutlich länger bleiben können. Dieses Jahr hat es bei Tauwetter und Sturm eher weniger Spaß gemacht. Aber man kann sagen, was man will, die Anreise ist kurz und die Kosten nur ein Bruchteil derer in den Alpen. Meiner Meinung nach also perfekt für junge Familien und alle die das erste Mal von ihrem eigenen Geld in den Skiurlaub fahren. Wer einfach ein bisschen Skifahren oder Snowboarden will, kommt auch hier voll auf seine Kosten, man muss sich eben nur darauf einlassen, dass alles etwas kleiner ist, als im Hochgebirge.

Ich bin gespannt auf euren Skiurlaub! Wohin fahrt ihr gern und warum? Wart ihr vielleicht selbst schon in Oberwiesenthal ?

Für mich geht es noch dieses Jahr zum ersten Mal ins Hochgebirge, in Georgiens größtes Skigebiet Gudauri und ich bin gespannt darüber zu berichten. Wenn du dich für exotische Skigebiete interessierst, bleib dran!

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