Auschwitz-Birkenau

Die Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz sollte jeder besuchen, der sich jemals mit der Deutschen Geschichte befasst hat. Dieses Lager ist ein Ausdruck dessen, welche Dimensionen Hass und Fanatismus annehmen können. Es ist der Beweis dafür, wie Menschen zu Unmenschen werden und welchen Aufwand sie betreiben, um innerhalb weniger Jahre eine komplette Bevölkerungsgruppe zu vernichten. Heute dort zu stehen, wo noch vor 75 Jahren etwa 1,5 Millionen Menschen den Tod fanden, ist ein so abgrundtief merkwürdiges Gefühl, das ich gar nicht beschreiben kann. Auschwitz I zeigt gemeinsam mit dem immensen Vernichtungslager Auschwitz II Birkenau, wie unfassbar viele Menschen auf unfassbar grausame Weise einer Ideologie zum Opfer fielen.

Für den Besuch solltet ihr möglichst früh anreisen. Gerade einen solchen Ort muss man auf sich wirken lassen und gerade hier will man nicht unter Zeitdruck durcheilen. Hinter dem bekannten Tor mit dem Schriftzug „Arbeit macht frei“ verbirgt sich eine riesige Anlage, die nur ansatzweise einen Einblick gibt, was den Menschen hier widerfahren ist. Die Mauer, vor der Menschen hingerichtet wurden. Die Räume, in denen Mengele Zwillinge für medizinische Experimente verstümmelte. Bilder und Besitz der Verstorbenen. Die Gaskammer und der Galgen. Auf dem Gelände kann sich jeder völlig frei bewegen und sich bis auf wenige verschlossene Gebäude alles anschauen. Ich kann bis heute nicht begreifen, dort gestanden zu haben, vor der Mauer und der Gaskammer, wo vor nur 75 Jahren mehrere Millionen Menschen ihr Leben ließen.

Nicht weniger bedrückend ist das Vernichtungslager Birkenau. Von dem ist wesentlich weniger erhalten, als von dem viel kleineren Stammlager Auschwitz I. Nur noch wenige Baracken stehen und von den Gaskammern sieht man gerade noch die Grundmauern. Auf den Bahngleisen, die durch das Torhaus in das Vernichtungslager führten, steht noch ein solcher Wagon, in dem die Menschen hierher deportiert wurden. Die Halle, in der sie registriert, enteignet, entkleidet und rasiert wurden, wirkt wie eben erst verlassen. Ein Großteil der Baracken wurde nach dem Krieg zerstört und nur ein Teil rekonstruiert, aber mehr könnte man sich zeitlich auch gar nicht ansehen. Als käme man sich in dieser riesen Anlage nicht so schon winzig vor, gab es vor Kriegsende noch ausführliche Erweiterungspläne für Birkenau.

Über den Besuch der Gedenkstätte denkt man noch so einige Tage nach, was natürlich auch Sinn des Museums ist. Wer den Holocaust im Geschichtsunterricht behandelt hat, sollte dieses riesige Konzentrationslager besichtigen, um sich ein Bild vom Ausmaß dessen zu machen, was man sonst nur aus Lehrbüchern und Filmen kennt. An einem Ort wie diesem bietet sich eine geführte Tour wohl an. Jemanden dabei zu haben, der mehr Geschichten kennt, als sie auf den Besuchertafeln stehen, ist wohl gerade hier wichtig und interessant. Wie wichtig die Zugänglichkeit für heutige Generationen ist, ist auch dem Staatlichen Museum bewusst und somit ermöglicht es die Besichtigung und den Shuttle zwischen beiden Lagern kostenlos.

Wenn ihr Fragen habt, was ihr bei einem Besuch der Gedenkstätte beachten solltet, schreibt sie mir gern in die Kommentare!

10 Gedanken zu “Auschwitz-Birkenau

  1. Auch dir vielen Dank für deinen Beitrag!
    Auschwitz war wirklich sehr emotional und intensiv. Doch der Massentourismus macht einfach vieles „kaputt“. Ich würde sehr gerne ein zweites Mal nach Auschwitz I. Da habe ich vieles nicht sehen können bisher.

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  2. Ich finde es gut das du darüber berichtest! Es wird immer wichtiger darüber zu schreiben und solche Gedenkstätten zu besuchen, gerade bei den Tendenzen in der Welt, denn es kann immer wieder und überall auf der Welt wieder geschehen, wenn wir nicht aufpassen.
    Ich hatte das grosse Glück mit vielen Überlebenden zu sprechen, meine Mama arbeitet mal in der KZ Gedenkstätte Dachau und das war so berührende und tiefe Gespräche, die ich nie vergessen werde. Vor allem Gespräche mit Max Mannheimer werden immer in meinen Gedanken sein.
    Warum es für uns wichtig ist das Thema haben wir hier geschrieben: https://www.mitkindimrucksack.de/nie-wieder-gedenken-an-die-opfer-des-holocaust/

    LG aus Görlitz
    Ina

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    • Ich denke auch, dass man dieses Thema vorsichtig behandeln, aber nicht tabuisieren sollte. Und ich wünschte, ich hätte auch die Möglichkeit gehabt, mehr Zeitzeugen kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören. Das ist einfach etwas ganz anderes, als Filme zu sehen und Bücher zu lesen!

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  3. ich habe mir lange überlegt ob man da einen Like drücken kann ! Habe mich für Nein entschieden !
    Nicht aber wegen deinem Beitrag allgemein sondern ein Thema das gerade in den letzten Tagen durch alle Medien geht im allgemeinen !
    Beitrag hast du sehr gut geschrieben !!!

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  4. Pingback: Mit der Kutsche durch Krakau | HAELLAVENDER

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