Dumme Ideen und schöne Erinnerungen – Roadtrip im Winterparadies Schweiz

Wie so oft im Winter lag ich einmal mehr Zuhause vor dem Kamin und scrollte durch Instagram, auf der Suche nach coolen oder wenigstens gemütlichen Ideen für die kalte Jahreszeit. Dabei bin ich auf einen gefühlt neuen Fototrend gestoßen: Eislaufen auf Bergseen. Die Bilder von weißen Schlittschuhen auf türkisfarbenem Eis machten mich schon neidisch. Natürlich wurde bei den Bildern etwas nachgeholfen, aber auf einem Bergsee eiszulaufen stellte ich mir trotzdem schön vor. Wenn ich einen Blick auf die Karte werfe, bedeutete das für uns, es ging in die Alpen und welches Land ist da wohl am bekanntesten für wunderschöne Bergseen und Winterlandschaften? Die Schweiz!

Der Plan für’s Wochenende stand –  wir fliegen in die Schweiz. Ich weiß, die Strecke von Deutschland in die Schweiz ist zu kurz zum Fliegen. Aber wir hatten nur ein gewöhnliches Wochenende und wollten für diesen kleinen Ausflug nicht so viel Zeit im Auto oder in der Bahn verbringen. Wir flogen also vom Hamburg nach Zürich, mieteten dort einen Wagen und fuhren 350 km nach Süden Richtung Saint Moritz. Direkt an dem Luxus-Skigebiet sollte der Lago Bianco liegen, den wir uns für diese Idee ausgesucht hatten. Der sogenannte Schwarzeissee sollte einer der beliebtesten Eislauf-Spots der Schweiz sein. But first things first.

Burgruine in Gräpplang

Auf der Autobahn sah das Wetter noch nicht nach Wintersport aus, die Wiesen links und rechts waren grün, keine Spur von Schnee. Stattdessen fanden wir in Gräpplang eine kleine Burgruine und beschlossen auf gut Glück die Autobahn zu verlassen. Der Weg war ein Nervenkitzel für Norddeutsche wie uns, die nur Tiefland kennen. Steile Kurven und enge Fahrspuren, die definitiv keinen Gegenverkehr zuließen. Links Mauern, rechts Zäune und mittendrin wir mit unserem teuren Mietwagen. Wir hatten Schiss um dieses Auto, das sage ich euch!

Die Burg Gräpplang aus dem 12. Jahrhundert war vielleicht schon etwas heruntergekommen, im Grunde fehlte alles bis auf die Grundmauern. Trotzdem hat sich die Schweiz den Schutz solcher Denkmäler zur Aufgabe gemacht und die Ruine durch Stützkonstruktionen vor dem weiteren Verfall gerettet. Über neugebaute Treppen konnte man so auch die oberen Stockwerke begehen, Stahlträger stützen die Gemäuer und Infotafeln zeigen wie das Leben hier früher aussah. Für uns war die Ruine ein toller spontaner Zwischenstopp auf unserer so schon planlosen Reise.

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Von nun an ging es ohne Umwege nach Saint Moritz. Mit steigenden Höhenmetern bekamen wir dann doch noch den gewünschten Schnee. Als wir einmal die Alpen erreicht hatten, war unsere anfängliche Enttäuschung wie weggeblasen. Stattdessen wurden wir überwältigt von tollen Aussichten auf schneebedeckte Gipfel, gefrorene Wasserfälle, süße Skigebiete und Seen, auf denen Dorfbewohner snowkiten.

Eislaufen auf dem Lago Bianco?

Späten nachmittags kamen wir in Saint Moritz an, die hübsche Stadt passte total ins Bild und ließ sich ansehen, wer hier seinen Winterurlaub verbringt. Genauso so sahen auch die Preise aus! Da wir etwas später als erwartet ankamen, entschließen wir uns hier keine Schlittschuhe auszuleihen, sondern nur etwas zu essen und direkt weiter zum Lago Bianco zu fahren. Und es war eine gute Idee noch keine Schlittschuhe auszuleihen! Der abgelegene See machte seinem Namen alle Ehre, er war weiß. Bedeckt von etwa einem Meter Schnee. Schlittschuh läuft hier diesen Winter sicher niemand. Wir waren schon etwas traurig, dass unser Plan hier zerplatzte, mussten im gleichen Moment aber über uns selbst lachen. Wir sind in die Schweiz geflogen, um in die Alpen zu fahren und dort im Grunde nichts zu machen.

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Nachdem wir eine Weile wie Kinder im Schnee gespielt hatten, als würden wir aus Deutschland keinen kennen, brach allmählich ein Schneesturm über uns ein. Am Auto bemerkte ich, dass ich mein Handy verloren hatte. Wir waren eineinhalb Stunden im Schnee unterwegs, das finde ich doch nie wieder! Zum Glück hat es uns aber nur eine halbe Stunde gekostet und wir hatten das Handy. Im mittlerweile voll aufgezogenen Sturm fuhren wir langsam aber sicher zurück bis an den See, an dem wir vormittags noch die Snowkiter sahen. Wir verbrachten die Nacht zu dritt in unserer A-Klasse, was extrem unbequem war. Um 6 Uhr morgens standen wir auf, um wenigstens ein einziges Mal auf einem gefrorenen See zu schlittern und die kühle Winterluft noch einmal einzuatmen.

Fazit: wir waren nicht eislaufen. Auf diesem Ausflug war Murphys Gesetz unser ständiger Begleiter, es ging schief, was schiefgehen konnte. Irgendwann machten wir einfach den Weg zu unserem Ziel und genossen nur noch die gemeinsame Zeit in der Winterlandschaft.

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In Basel am Flughafen mussten wir erst einmal aussteigen und gucken, ob wir überhaupt am richtigen Flughafen sind. Einer musste ins Terminal und an der Tafel gucken, ob unser Flug dort dran steht. Wir waren richtig und so nahm dieses pure aber lustige Chaos sein Ende. Mit den richtigen Leuten macht der größte Unsinn Spaß. Wir hatten am Ende eine tolles Wochenende und eine Geschichte, über die wir jetzt noch lachen können!

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3 Gedanken zu “Dumme Ideen und schöne Erinnerungen – Roadtrip im Winterparadies Schweiz

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