Sonne über den Fjorden Norwegens

Nachdem ich gerade meinen ersten Kurztrip allein hinter mich gebracht habe, kam diesen Sommer das nächste große Projekt. Die Idee kam uns letzten Winter auf dem Weihnachtsmarkt: Wir fahren mit dem Rucksack nach Norwegen! Richtig, unsere erste Reise ohne Eltern geht für 14 Tage nach Norwegen. Der Plan war es, auf der Route von Oslo nach Trondheim durch Fjorde zu wandern und schlaflose Nächte in den Städten zu verbringen.

Ein Reisebericht aus 14 Tagen in Norwegen

Anreise und Couchsurfing

Am Montagabend ging unser Flug von Hamburg nach Oslo. Da wir früh genug gebucht haben, ist jeder von uns für nur 90 € insgesamt geflogen. Am Abend der Anreise sind wir nur noch zum Couchsurfen in ein Studentenwohnheim gefahren, um einen unheimlich merkwürdigen Abend zu verbringen. Wer Couchsurfing nicht kennt, das Ganze ist ein Plattform, auf der Einwohner kostenlos Reisenden ihre Couch anbieten. Diese Nacht war unsere erste Erfahrung mit Couchsurfing und direkt komisch. Der Host ließ uns über eine Stunde vor der Tür warten, die Couch war furchtbar unbequem und zudem im gleichen Raum, in dem er bis 04:00 Uhr am PC gezockt hat.

Oslo

Wir sind aus dem Studentenwohnheim ziemlich früh wieder abgehauen. Unser erstes Frühstück war ein Frozen Joghurt aus dem Seven-Eleven, unser zweites Frühstück ein Sandwich auf dem Dach des Opernhauses. Ich finde, das war ein solider Start in unsere Reise. Nach dem gelungenen Frühstück trafen wir Abz aus Neuseeland, mit dem hatten wir uns auch über Couchsurfing verabredet, um die Stadt zu erkunden. Wo wir dann überall waren und welche Plätze wir in Oslo am schönsten fanden, will ich aber extra festhalten (hier). Abends holten wir unsere großen Rucksäcke aus den Schließfächern am Bahnhof und nahmen den Nachtzug Richtung Stavanger.

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Der Nachtzug

Der Nachtzug wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Möglichkeit effizient zu reisen und das ist er erstmal auch. Man schläft an einem Ort ein und wacht am Ziel wieder auf, so die Theorie. In diesen Nachtzügen gibt es zwei verschiedene Klassen, die 1. Klasse mit Betten und die 2. Klasse mit normalen Sitzen. Habt ihr schon einmal versucht 8 Stunden sitzend zu schlafen? Das ist unmöglich! Da hilft auch das kostenlose Set aus Decke, Kissen und Schlafmaske nicht. Wäre die Bahn leerer gewesen, hätte man sich sicher über zwei Sitze legen können, den Platz gab es aber nicht. Fazit: Wenn ihr nicht gerade die 1. Klasse bucht, nutzt Nachtzüge nicht als ernste Schlafmöglichkeit, so lange ist es einfach zu unbequem.

Der Preikestolen

Nachdem wir in Stavanger 5 Stunden auf den Bus zur Fähre gewartet hatten, sind wir am frühen Nachmittag endlich am Aufstieg zum Preikestolen angekommen. Die natürliche Felskanzel liegt etwa 604 Meter über dem Lysefjord. Die Wanderung dorthin soll zwischen 2 und 2,5 Stunden dauern. Wir haben mit unseren 20 kg Rucksäcken fast 3 Stunden gebraucht, denn die Wanderung ist fast ein reiner Aufstieg. Die Aussicht war die Anstrengung aber dennoch wert und machte Lust auf mehr norwegische Landschaften.

Gewaltmarsch am Lysefjord

Auf dem Rückweg vom Preikestolen bogen wir auf den Weg Richtung Bakken ab, das wären laut Wegweiser 12 Kilometer. Dann sind wird in 3-4 Stunde dort, dachte ich und hatte keine Ahnung was da auf uns zukam. Die Nacht verbrachten wir in unserem Zelt unweit des großen Wasserfalls. In Norwegen gilt glücklicherweise das Jedermannsrecht und jeder darf sein Zelt überall aufstellen, solange man 150 Meter Abstand zum nächsten Privatgrund hält. Der erste Schlaf seit 3 Tagen tat uns richtig gut! Abends sind wir nur noch 1 Stunde gelaufen, uns blieben also noch um die 10 Kilometer. Ich hätte nie gedacht, dass uns eine so kurze Strecke so viel Zeit kosten kann! Wir sind an diesem Tag noch 8 Stunden gelaufen. Aber bei all den Höhenmetern, den Geröllfeldern und dem Regen war das kein Wunder. An einem der Geröllfelder warnte ein Schild in Richtung des Fjordes vor Steinschlag, schön dass uns die Markierungen mitten durch dieses Feld schickten. Das war doch genau das Abenteuer nach dem wir gesucht haben!

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Der Kjeragbolten

Am nächsten Morgen nahmen wir um 6 Uhr die erste Fähre von Songesand nach Lysebotn, um dort um 8 Uhr zum Kjeragbolten aufzusteigen. Dabei lernten wir Claire kennen, eine gebürtige Engländerin, die mit ihrem selbst umgebauten Van von Frankreich nach Norwegen fuhr. Nach der Wanderung, diesmal zum Glück ohne die Rucksäcke, haben wir im Kjerag Restaurant  das beste Chicken-Bacon-Sandwich überhaupt gegessen. Danach ist Claire mit uns in ihrem Van ca. 5h nach Odda gefahren, wo wir irgendwo außerhalb der Stadt am Straßenrand gezeltet haben. Der Weg dahin war malerisch und steht definitiv noch einmal auf meiner Liste für den nächsten Roadtrip!

Die Trolltunga

Erst kurz vor Mittag sind wir in unsere letzte große Wanderung gestartet – der Weg zur Trolltunga. Der Hin- und Rückweg war mit 22 km die längste unserer Wanderungen, dazu ging es die ersten 4 km konsequent bergauf. Trotzdem würde ich sie nicht als härteste Wanderung bezeichnen, wie es der Reiseführer tut. Bringt einfach etwas Zeit und Ausdauer mit, die Mühe lohnt sich! Wenn ihr Glück habt, verkaufen auf dem Weg ein paar Ferienkinder aus den umliegenden Hütten super leckere Waffeln und Brownies. Einer Sache solltet ihr euch aber bewusst sein, der Andrang für ein Foto auf der Trolltunga war schon 2017 enorm. Vor mir in der Schlange standen bestimmt 10 Leute und hinter mir die gleiche Anzahl. Und das alles, obwohl man dahin 11 km aufsteigen muss! Wie schlimm es in den folgenden Jahren wird, kann man nur erahnen.

Städtetrip in Norwegen?

Nach der Wanderung mussten wir uns dann leider von Claire verabschieden, denn während sie noch einige Nationalparks und Gipfel stürmte, hat es uns in der zweiten Woche in die Städte gezogen. Mit Bussen sind wir von Odda nach Bergen, Ålesund, Molde und Trondheim gefahren. Die meisten Nächte haben wir in Hostels verbracht oder wurden von Couchsurfern gehostet. Nach so vielen Tagen des Wildcampens waren Pizza und Duschen eine willkommene Abwechslung. Couchsurfen mag wirklich nett sein, um Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu kochen und die Plätze der Einheimischen zu sehen. Irgendwann aber braucht man doch wieder Zeit für sich, ohne eventuell die Gastfreundschaft der Hosts zu verletzen. Im Sommer legen in allen Küstenstädten häufig Kreuzfahrtschiffe an. Außer in Oslo fallen die Menschenmassen auch ziemlich auf, denn norwegische Städte sind nicht unbedingt groß. Dafür haben sie zwar ihren Charme, der wirkt aber auch nur so lange man den vielen Touristen vor und hinter sich nicht auf die Füße tritt. Deswegen hat uns auch jeweils ein Tag pro Stadt gereicht, bevor wir den Bus in die nächste genommen haben.

In Bergen sind wir auf den Berg Fløyen gewandert, wollten danach die Nacht in einer Bar durchtanzen und mussten feststellen, dass Bars in Norwegen um 2 Uhr schließen. Wir tranken mit einigen Studenten in deren WG weiter und genossen die Stille in Bryggen um 4 Uhr morgens. Dunkel wurde es dabei die ganze Nacht nicht. In Molde haben wir auf einem Berg gezeltet und den Sonnenuntergang über dem Meer bewundert. In Ålesund hatten wir die schönste aller Aussichten, eine überteuerte und trotzdem tolle Platte voller Meeresfrüchte und einen etwas aufdringlichen Couchsurfing-Host, sorry Oystein! Das Ende unserer Reise war Trondheim. Es war gleichzeitig unsere letzte Erfahrung mit Couchsurfing, als uns ein deutscher Student wieder in ein Wohnheim einlud. Die 15er WG lädt öfter Couchsurfer in die leerstehenden Zimmer ein und dieses Wohnheim war der Wahnsinn! Hier habe ich erstmals einen Wasserhahn gesehen, aus dem kochendes Wasser kommt. In Trondheim haben wir uns die vielen süßen Holzhäuschen angeschaut und Pizza in Norwegens höchstem Drehrestaurant gegessen. Mit unserem einzigen nicht merkwürdigen Host sind wir ins Pizzabuffet im Egon im Tyholt-Turm gegangen. Was gibt es besser als Pizza bis zum Umfallen, während man innerhalb einer Stunde 360° Trondheim sieht? Große Empfehlung auf jeden Fall!!!

Oslo

Für die letzte Nacht in Oslo haben wir uns am Hafen Zuckerwatte geholt und sind mit der Fähre nach Langøyene gefahren. Eine wirklich schöne Insel mit Strand, auf der das Wildcampen erlaubt ist und viele einfach auf einen Tagesausflug vorbeikommen. Am letzten Tag haben wir die verbleibende Zeit in Oslo zum Shoppen genutzt, bevor wir am Abend zurück nach Hamburg geflogen sind. Dort haben sich unsere vorerst Wege getrennt, während ich nach Hause gefahren bin, ist Paula geblieben. Es ist komisch nach 14 Tagen, die man rund um die Uhr zusammen verbringt, plötzlich wieder allein unterwegs zu sein! 😄 

Fazit

Wir hatten eine wirklich schöne erste Reise, gerade die erste Woche, die Wanderungen und die Landschaften waren eine vollkommen neue Welt. Wir haben definitiv eine Menge für zukünftige Reisen gelernt. Anders als geplant sind wir zum Beispiel kaum getrampt, sondern haben fast immer den Bus genommen. Erst im Nachhinein haben wir von anderen Reisenden gehört, wie gut das Trampen in Norwegen funktionieren soll. Tja, am Ende ist man immer schlauer. Wir hätten etwas spontaner sein und mehr untouristische Orte erkunden können. Aber das sind Erfahrungen, die man sammeln muss, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Ich hoffe wie immer, dass euch dieser Bericht bei eurer eigenen Planung hilft! Das war mit Sicherheit nicht der letzte Bericht zu Norwegen. Und wie immer freue ich mich natürlich auch auf Meinungen und Vorschläge!  😄 

4 Gedanken zu “Sonne über den Fjorden Norwegens

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